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Fachkräftemangel: Wie das Jobcenter Dresden unsere Wirtschaft sabotiert

Ein Maschinenbauingenieur auf Jobsuche und seine Erfahrungen mit deutschen Staatsbeamten:

Klaus S. (51) ist Maschinenbauingenieur. Kürzlich hat der Dresdner ein 15-monatiges Weiterbildungsstudium mit Schwerpunkt Maschinen- und Gerätekonstruktion absolviert. Mit der Abschlussnote 1,7 gehört er zu den 30 Prozent der Absolventen seiner Uni, die sich Jahrgangsbeste nennen dürfen. In einem dreimonatigen Praktikum entwickelte der Vollblutmaschinenbauer eine Werkzeugmaschine für einen renommierten deutschen Hersteller von Luxusuhren. Auf die 60-seitige Praktikumsarbeit gab’s dann auch die Top-Note 1,3.

Aufgrund seiner Leistungen in Studium und Praktikum und seiner qualifizierten punktgenauen Bewerbungen erhält Klaus S. immer wieder Einladungen zu Vorstellungsgesprächen – bundesweit. Auch wenn noch keine Zusage erfolgte, zeigt sich die Industrie offensichtlich sehr interessiert.

Vor einigen Wochen nun wachte das Jobcenter Dresden auf und versucht seit dem durch unqualifizierte Einmischung in die Bewerbungsbemühungen wohl seine Existenzberechtigung nachzuweisen. Ein qualifiziertes Profiling wurde nicht erstellt und so erhielt Klaus S. vermehrt “Vermittlungsvorschläge”, die dann auch regelmäßig in Absagen endeten. Für den ambitionierten Konstrukteur also vertane Zeit und frustrierend zugleich.

Der jüngste Jobcenter-Streich nun ist die sogenannte “Perspektive 50plus”. In dieses Programm werden “Kunden” mit dubiosen Versprechungen gelockt, wie intensivere “Unterstützung”, mehr Zeit für “Betreuung” durch den “Fallmanager”, “exklusive Stellenangebote” durch direkten Zugang zum Arbeitgeberservice und alles wäre natürlich freiwillig und es würde von nun an viel besser. Weit gefehlt! In der Praxis entpuppt sich dieses Programm nämlich als nichts anderes als ein weiteres heimtückisches Terrorinstrument gegen die falsche Zielgruppe. Als ob die Babyboomer 50plus als schwächstes Glied der Fresskette im Arbeitsmarkt am Jugendwahn in deutschen Unternehmen etwas ändern könnten.

Und so stutzte das Jobcenter im Fall Klaus S. dessen bundesweiten Bewerbungen für eine Ingenieurstelle auf die regionale Vermittlung als Technischer Zeichner zurück – in einem Umfeld mit Technikerüberangebot aber ohne nennenswerte Nachfrage.

Denn selbst 25 Jahre nach dem Mauerfall ist der Osten Deutschlands noch immer nur die verlängerte Werkbank der westlichen Produktentwickler. Mehr noch! Die “Perspektive 50plus” scheint für angehende Senioren konzipiert, die weder den Arbeitsmarkt noch die Gepflogenheiten in modernen Bewerbungsverfahren kennen. Das zeigte sich einerseits darin, dass Klaus S. wieder ohne Profiling mit trivialen Hinweisen auf Stellenangebote und Jobbörsen im Internet konfrontiert wurde, das Jobcenter also Eulen nach Athen trug. Andererseits ignoriert der vom Steuerzahler bestens versorgte Intensivbetreuer trotz mehrmaliger Hinweise des Betroffenen die wahren Quellen wie Unternehmenslisten der regionalen und bundesweiten Branchenverbände sowie die Unternehmensdatenbanken des Mittelstands und zeigte sich während der Kaltakquise per Telefon sogar erstaunt über die nach eigenen Angaben “hohe Qualifikation” seines neuesten “Kunden”.

Das Verhalten des Jobcenters Dresden im Fall Klaus S. kann man daher nur als schlichte Sabotage der deutschen Wirtschaft bezeichnen. Gerade heute forderte EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) unter Beifall von Ökonomen von der Bundesregierung die “Rente mit 70″ und verwies dabei auf den Fachkräftemangel in Deutschland. Zudem hat die Auslandsvermittlung des Jobcenters Dresden nach eigenen Angaben ihre Vermittlungsaktivitäten eingestellt. Grund sei ebenfalls der Fachkräftemangel in Deutschland.



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