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HRE: Deutschlands insolventeste Bank zwischen Pleite und Kommunismus

Warum muss die HRE unbedingt verstaatlich werden?

CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer, laut Handelsblatt, meint dazu:

“weil angesichts der immer noch gestörten Lage auf den Finanzmärkten derzeit nur der Staat in der Lage ist, sich problemlos und zu vernünftigen Konditionen zu finanzieren”

Im Klartext
Der deutsche Steuerzahler soll der Hypo Real Estate (HRE) Risikokapital mit einer Verzinsung von derzeit 1,00 bis 4,00 Prozent zur Verfügung stellen, je nach Laufzeit und Bundeswertpapier. Abgesehen davon, braucht es dafür eine Verstaatlichung? Nein! Der Bund könnte genauso gut die durch die HRE emittierten Schuldverschreibungen direkt kaufen. Wenn dem nicht die Tranzparanz und der Risikoaufschlag entgegenstünden, was zu Unmut und zusätzlicher Belastung der Steuerzahler führen würde. Mit einer Verstaatlichung könnte der Bund zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  1. Für Aussenstehende wäre der Kapitalfluss zwischen Staat und HRE schwerer bis gar nicht mehr nachvollziehbar.
  2. Dagegen könnte der Staat auf Risikoverzinsung verzichten, sein vielbeschworenes “Systemrisiko” an die Steuerzahler weiterreichen und seine zu diesem Zwecke aufgenommenen Schulden unbeaufsichtigt als Finanzspritzen in die HRE pumpen.

Und natürlich fällt es der HRE mit ihren derzeitigen Ratings ungleich schwerer, sich zu refinanzieren. Das hat nichts mit der Lage an den Finanzmärkten zu tun, sondern einzig mit der Bonität der Bank.

Was würde aber geschehen, wenn man die HRE jetzt in die Insolvenz schickte?
Zunächst einmal gar nichts. Die Geschäfte laufen weiter und der Insolvenzverwalter prüft, ob und wie die Bank zu retten wäre. Das ist sein Job. Ja, selbst die Pfandbriefe der HRE wären nicht betroffen, denn die sind durch finanzierte Immobilien gedeckt. Auch sogenannte ungedeckte Schuldverschreibungen wären nicht relevant, denn dort steht ebenfalls die Bonität der Kreditnehmer und nicht die der kreditausreichenden Bank als Sicherheit, wobei Zinsen und Tilgung lediglich durchlaufende Posten sind. Zudem hat die HRE kein Privatkundengeschäft. Den “kleinen Mann auf der Strasse” interessiert also nur, was ihn die Bank künftig als Steuerzahler kostet? Im “worst case” einer unvermeidlichen HRE-Pleite, könnte dann immer noch der Staat einspringen. Jedoch würde der Insolvenzverwalter vorher gnadenlos alle Probleme und Schwachstellen aufdecken und eventuell Geschäftsbereiche zum Verkauf empfehlen, was letztlich die einzige Entscheidungshilfe für eine Verstaatlichung oder nicht sein kann. Und noch eines würde eine Insolvenz klären, nämlich ob die Aktionäre Anspruch auf irgendeine Entschädigung hätten. Ein entscheidendes Risiko birgt dieser Weg jedoch. Die Staatsbürgschaften würden gezogen, der Bund müsste sofort das Geld auf den Tisch legen und die Politik ihren Bürgern erklären, warum die BaFin versagte und warum nicht im Vorfeld die Überlebensfähigkeit der Bank geprüft wurde, so wie es in der freien Wirtschaft üblich und sinnvoll ist.

Aber man feiert in Berlin lieber Wahlkampf auf den Schultern der Steuerzahler. Denn eine Verstaatlichung der HRE untermauert die Botschaft des letzten Jahres:”Eure Einlagen sind sicher und Banken können in Deutschland nicht Pleite gehen, koste es was es wolle!”. Es geht um Wähler, um Prestige und um 100 Milliarden Euro, die schon geflossen oder verbürgt sind. Die Politik hat sich im letzen Jahr blauäugig in diese Geschichte hinein manöveriert. Aber sie hätte jetzt zum zweiten Mal eine Chance, die Notbremse zu ziehen und gutes Geld im Trockenen zu halten, statt es schlechtem hinterher zu werfen.


Dieser Artikel ist Teil 11 von 37 der Serie Hypo Real Estate - HRE - pbb Deutsche Pfandbriefbank



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