≡ Menu


HRE: Warum braucht Deutschland eine ausländische Bank?

Millau ViaducDie Hypo Real Estate Holding (HRE) sitzt in München, Deutschland. Das war es aber schon. Das Geschäft der Gruppe ist weltweit verteilt genau wie ihre Tochtergesellschaften. Gemäss dem Geschäftsbericht von 2007, Seite 77 tätigte die Bank gerade mal 27 Prozent ihrer Geschäfte in Deutschland, aber 73 Prozent im Ausland, davon 18 Prozent in den USA, 34 Prozent in Westeuropa und 3 Prozent in Japan. Der Anteil des Engagements in öffentliche Haushalte weltweit betrug 62 Prozent und war damit das Hauptgeschäftsfeld.

Blättern wir zur Seite 78 und erfahren, dass die Finanzierung öffentlicher Träger in Deutschland lediglich 18 Prozent ausmachte. Die restlichen 82 Prozent finanzierte die HRE-Gruppe im Ausland, davon 20 Prozent in den USA und 51 Prozent in Westeuropa.

Nun kommt unsere Regierung und sagt, dass die HRE eine sytemrelevante Bank sei. Für wen systemrelevant, das verschweigt sie uns. Ob die Münchner sich für internationale Geschäfte nicht etwa ausschliesslich in Deutschland refinanziert haben? Kaum zu glauben, denn das Geschäft mit der öffentlichen Hand als hauptsächliches Standbein kommt von der Depfa und sie hat sich mit Sitz in Irland für ihre internationalen Finanzierungen wohl kaum ausschliesslich am deutschen Finanzplatz refinanziert. Über die Gläubigerstruktur der HRE ist derzeit leider nichts bekannt. Wenn jedoch Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt, die Rettung der HRE ist international abgesprochen, dann geht es nicht nur um deutsche Gläubiger, wahrscheinlich machen sie sogar nur einen geringen Teil aus.

Warum soll also diese eigentlich ausländische Bank allein durch den deutschen Steuerzahler gerettet werden?

Jetzt nehmen wir einmal an die HRE fällt aus. Was passiert? Bei einer Insolvenz werden ausgereichte Kredite nicht unbedingt verlängert, denn das ist Bankgeschäft und gehört nicht zur Abwicklung. Dies bedeutet, die internationalen Kunden der HRE (Staaten, Kommunen, öffentliche Beteiligungsgesellschaften) müssten ihre Anschlussfinanzierungen bei anderen Banken aufnehmen oder aber diese sofort zurückzahlen. Können die das einfach mal so?

Jetzt nehmen wir weiter an, unsere Regierung zieht eine Verstaatlichung durch. Das wäre für den deutschen Steuerzahler zunächst einmal egal. Die 102 Milliarden Euro an Cash und Bürgschaften sind sowieso schon ausgereicht. Die Frage steht: Was kommt danach? Wer kontrolliert? Wer überwacht? Wer hat den grössten Einfluss auf die Geschäfte? Mit einer Enteignung der Aktionäre würde der Staat zunächst die Kontrolle über die Bank übernehmen und auch noch zum günstigen Preis. Die Alternative einfach Aktien zu kaufen, wäre eine schlechte Wahl, denn wie wir heute gesehen haben, schoss der Aktienkurs der HRE nach Kabinettsbeschluss um mehr als 60 Prozent in die Höhe. Daher sollte eine Enteignung billiger sein.

Mal weiter. Nach Enteignung hat der Staat, vielmehr die deutsche Regierung, die Kontrolle über die Bankgeschäfte und als Leckerli obendrauf die Kontrolle über die Finanzierungen weltweiter öffentlicher Grossprojekte. Klingt wie ein Märchen für die Politik. Denn ab jetzt werden nicht mehr wirtschaftliche Entscheidungen getroffen, wie es vielleicht ein Banker tun würde oder sollte, jetzt wird der gesamte Laden zum Politikum. Die deutsche Regierung als Finanzier internationaler Projekte mit aller Macht, die jeder Geldgeber nunmal besitzt.

Warum fällt mir gerade die Bahn ein? Bahnchef Mehdorn träumt von internationaler Expansion. Dabei hat jedoch die Depfa als Tochter der deutschen HRE erst kürzlich die weltweit längste Autobahnbrücke “Millau Viaduc” (Foto) in Südfrankreich finanziert, was einem Bahnvorstand wohl eher kaum gefallen dürfte. Ob eine deutsche Bank unter Kontrolle der Regierung weitere Infrastrukturmassnahmen in Westeuropa begleitet, wenn dies gegen die Interessen deutscher Grosskonzerne wäre?

Ich will ja niemanden etwas unterstellen. Jedoch ergeben sich für staatliche Eigentümer solch global agierender Kreditinstitute doch einige interessante und nicht zu unterschätzende Möglichkeiten, um ihre oder die Interessen der hiesigen Unternehmen durchzusetzen.

Foto: Michel Mejane / SXC


Dieser Artikel ist Teil 12 von 37 der Serie Hypo Real Estate - HRE - pbb Deutsche Pfandbriefbank



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner