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Humatics statt Bad Bank – Mit Bildung aus der Krise?

Die Politik hat kein Krisenkonzept, weil unsere Ökonomen auch nicht weiter wissen. Jetzt müssen die Naturwissenschaftler ran. Ihre Ideen sind gefragt. Wirtschaftsthemen erklärt, wie Bildung aus der Krise führt und den Menschen eine Perspektive gibt:

Der erfolgreiche Unternehmer und Erfinder Hans-Dietrich Kreft verfolgt in seinem Buch “Der Königsweg aus der Wirtschaftskrise” den Ansatz, die Marktwirtschaft auf zwei Säulen zu stellen. Während die Wirtschaft als “Säule 1″ das Einkommen von Staat und Bevölkerung sichert, soll das Bildungssystem als “Säule 2″ die Wirtschaft mit solide ausgebildeten Fach- und Führungskräften versorgen und somit Innovation und Wirtschaftsleistung stärken. Der Clou dabei, auch die Bürger, welche sich in einer Ausbildung oder Fortbildung befinden, werden entsprechend ihren Leistungen angemessen bezahlt und verfügen über ein Einkommen. Durch die faire und wachstumsorientierte Verteilung des Einkommens in 2/3 zu Gunsten der Wirtschaftsleistenden und 1/3 für die Bildungsleistenden bleibt das Leistungsprinzip der Marktwirtschaft erhalten. Menschenunwürdige Exzesse, wie Hartz-IV oder Leiharbeit, entfallen bei Krefts Lösung. Niemand braucht mehr Panik vor einem Job-Verlust zu haben, denn sobald er eine durch die Wirtschaft nachgefragte Bildungsmassnahme in Anspruch nimmt, bleiben Lebensgrundlage und Perspektive gesichert. Das heisst aber auch, die Fortbildung persönlicher Interessen, bringt weniger Einnahmen.

Auswirkungen auf Markt und Gesellschaft
Kreft geht davon aus, dass mit höherem Bildungsstand die Menschen vielfältigere Produkte nachfragen. Das wird die Binnenkonjunktur ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen, was sich wiederum positiv auf das Einkommen der Gesellschaft auswirkt. Da niemand mehr in Arbeitslosigkeit oder Sozialhilfe absinkt, entfällt dieser negative Touch. Zudem werden keine Arbeitslose mehr zwangsenteignet, was der Altersvorsorge und dem allgemeinen Wohlstand zu Gute kommt. Kreft geht in seinem Buch im ersten Schritt von relativer Entschuldung des Staates durch steigende Wirtschaftskraft in Verbindung mit wachsenden Einnahmen aus. Von einer solchen Entwicklung profitierte Deutschland in der Vergangenheit auch. Unsere Schulden sind die letzten 60 Jahre exorbitant gewachsen. Ohne das begleitende stetige Wachstum des BIP jedoch, wäre Deutschland längst Pleite. Zudem wird die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer gestärkt. Krefts Modell sieht vor, Bildung und Kompetenzen künftig nach dem Baukastenprinzip zu gestalten und ihren Marktwert mit der konkreten Grösse “Humanbit” (hbit) zu bestimmen und vergleichbar zu machen. So weiss jeder Unternehmer, was seine Mitarbeiter wert sind und jeder bestimmt seine Ausbildung entsprechend seinen Talenten und Vorlieben sowie der Nachfrage durch die Wirtschaft. Die Steuerung erfolgt über die Vergütung.

Finanzierung
Hartz-IV, Kindergeld, Bafög und Arbeitslosengeld gibt’s heute schon. Sie sind jedoch nicht an Leistungen gebunden, mal von den obligatorischen Bewerbungen bei Hartz-IV-Empfängern abgesehen. Die Gesellschaft hat von diesen Ausgaben nichts, ausser vielleicht die Beruhigung ihres Gewissens und den sozialen Frieden vielleicht. Diese Mittel jedoch zusammengefasst und in konkret durch die Wirtschaft benötigte Bildung investiert, fliessen die Ausgaben später als Steuern in Folge steigender Wirtschaftsleistung in die Kassen des Staates, sprich des Steuerzahlers, zurück. Zudem erledigt sich laut Kreft auch gleich das Banken-Problem. So könnten Bad Banks durch einen entsprechenden Geldfluss bei der Vergütung der Bildungsleistenden vermieden und Insolvenzen verhindert werden. Mehr dazu in seinem Buch.

Methodik
Krefts Modell beruht durchaus auf historische Lehren der Ökonomie. Der entscheidende Unterschied, der Autor gibt sich nicht mit Erwartungen zufrieden, die Märkte müssten dieses, die Währungen jenes und die Rohstoffpreise wieder etwas anderes tun. Kreft setzt genau dort den ökonomischen Hebel an, wo wir seine Wirkung selbst beeinflussen können und arbeitet mit Zahlen und Fakten.

Quellen und Weblinks
Das Buch “Der Königsweg aus der Wirtschaftskrise”, Hans-Dietrich Kreft ist im Lau-Verlag erscheinen. Es ist leicht verständlich geschrieben und lesenswert. Zudem gibt humatics.de einen Einblick in die Welt der humanbits und Konstrukte und informiert über Entwicklungen.

shuccle.de
Begleitend dazu verweise ich auf das Startup shuccle.de, ein Portal inklusive Demo, welches Jobsuchende und Unternehmen auf Basis von Krefts Modell zusammen führt. Die Nutzer bleiben anonym. Persönliche Daten – und das ist ebenfalls neu – werden nicht erfasst, nicht einmal die E-Mail-Adresse. Fiktiver Name und Passwort genügen. Der Account wird nach 12 Monaten automatisch wieder gelöscht. Die Firmen, darunter grosse Namen, wie Postbank oder MAN, können mit ihren Stellenangeboten nach Registrierung eingesehen werden. Hat der Nutzer ein oder mehrere Profile mit seinen Kompetenzen angelegt, kann das System selbständig nach Jobgesuche und -angebote vergleichen (matchen). Die Plattform ist völlig offen. Berufe, Hobbys oder Qualifikationen können selbständig angelegt werden. So wird einerseits der schnellen Entwicklung von Stellen Rechnung getragen. Andererseits fehlt mir eine gewisse Standardisierung der Kompetenzen, die das Matching sicher erleichtern würde.

Fazit
Krefts Buch ist interessant, sein Modell macht Sinn. Es würde nicht nur eine Menge Probleme in Gesellschaft und Wirtschaft lösen und den Staat von Verwaltungsarbeit entlasten, sondern Deutschland mit einem Schlag konkurrenzlos an die Spitze der Weltmärkte katapultieren.

Grafik / Cover: © Steffen Faust



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