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Kölner Stadtarchiv: Haben sich Juristen und Ökonomen bei der Statik verrechnet?

Das Kölner Stadtarchiv liegt seit vorgestern in Trümmern. Die primäre Unglücksursache sehen Fachleute in einem angrenzenden und unzureichend gesicherten 28 Meter tiefen Hohlraum der U-Bahn-Trasse der Nord-Süd Stadtbahn. Dass ein innerstädtischer Tunnelbau auch problemlos möglich ist, beweist der Leipziger City-Tunnel. Hier wurden Gebäude im Vorfeld durch Zementinjektionen gesichert und mittels 1.100 elektronischer Messpunkte eines Druckschlauchwaagensystems online überwacht. Trotz Warnsignale beschränkte man sich in Köln auf die Prüfung der Gebäudestatik. Ob dabei jedoch auch das Verhalten des Baugrundes eine Rolle spielte?

Baukostenüberschreitung und knappe Kassen
In den 90er Jahren geplant, waren für die Kölner Nord-Süd-Bahn 630 Millionen Euro kalkuliert. An der Finanzierung sollten sich der Bund mit 60 Prozent, das Land Nordrhein-Westfalen mit 30 Prozent und mit 10 Prozent die Stadt beteiligen. Bis zum Jahre 2004 explodierten die Kosten auf 780 Millionen Euro und bis 2007 auf fast 1 Milliarde Euro. Die Gründe dafür bleiben vorerst im Dunkeln.

“Köln lebt über seine Verhältnisse” beklagte am 23. Januar 2007 die IHK Köln und notierte:

“Trotz boomender Konjunktur und sprudelnder Steuereinnahmen schafft es die Stadt Köln nicht, den Haushalt des Jahres 2007 auszugleichen.” … “Die IHK Köln kritisiert im Einzelnen, dass die Stadt trotz der weiterhin katastrophalen Haushaltslage von einer Rückführung der Personalkosten oder auch nur einem Ausgleich der jährlichen Tarifsteigerungen noch weit entfernt sei.”

Köln – Ein typisch deutsches Problem
An der Suche nach Lösungen sind in Politik und öffentlichen Dienst vorrangig Juristen und Ökonomen beteiligt. Ingenieure und Wissenschaftler dürfen lediglich beraten. Die Folgen sind dramatisch, wie das Beispiel Köln zeigt. Entscheidungen werden auf die “Wie-sichere-ich-mich-am-besten-ab”-Ebene reduziert und die Frage nach der nächsten Gesetzeslücke bestimmt das Handeln. Aktuelles Beispiel ist die geplante Schuldenbremse im Grundgesetz. Experten schätzen, dass sich allein in Deutschlands Ministerien 65 Prozent Juristen plus 15 Prozent Ökonomen tummeln. Selbst im Wirtschaftsministerium liegt der Anteil an Juristen mit 40 Prozent über dem der Wirtschaftswissenschaftler.

Daher würde es mich nicht wundern, wenn die Untersuchung in Köln bestätigt: Alle Vorschriften wurden eingehalten, im speziellen Fall reichten sie jedoch nicht aus.



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