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Maybrit Illner: Wirtschaftstreibstoff Ungleichheit?

Ein brisantes Thema: Drei Millionen Arbeitslose, fünf Millionen Hartz-IV-Empfänger und rekordverdächtige 41 Millionen Erwerbstätige in Deutschland, aber bei vielen Menschen kommt der Aufschwung nicht an. In Maybrit Illners Herrentag-Runde waren Redezeit und Titel wichtiger, als Argumente.

maybrit illner zdf

“Arm trotz Aufschwung. Auch mit Fleiß kein Preis?” – Für den neureichen Sterne-Gourmet Tim Raue ist das Thema simpel und schnell abgehandelt. Schließlich hat auch er es nach einer Karriere in einer Kreuzberger Straßengang zum Wohlstand gebracht. Alle hätten in Deutschland die gleichen Chancen. Eine skurrile These, die an Arroganz kaum zu überbieten ist, weil sie Millionen, die sich redlich mühen, auf die Stufe von Faulenzern und Schmarotzern stellt.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner setzt auf Ungleichheit. Höhere und Geringere sind für ihn der Treibstoff der Wirtschaft. Je unmenschlicher und krimineller es dabei zu geht, um so besser für die Unternehmen. Dass Menschen vor dem Aufstieg zunächst täglich acht Stunden und fünf Tage die Woche für private Geschäftemacher malochen müssen, während ihnen die Steuerzahler den Lebensunterhalt finanzieren, ist für Lindner gut und richtig. Schließlich könnten die Betroffenen ja durch Bildung ihre Chancen verbessern. Die Finanzierung der Bildungsmaßnahmen läßt er offen.

Die stellvertretende Vorsitzende der Linken Katja Kipping gab die viel zu brave “Quotenfrau”. 10 Euro Mindestlohn sichert zwar den Lebensunterhalt und wirkt wirtschaftskriminellem Lohn-Dumping und Schwarzarbeit entgegen. Aufstiegschancen erhalten die Betroffenen allein dadurch aber nicht. Dass in Deutschland die Bildungschancen ungleich verteilt sind, wie PISA immer wieder belegt, ist bekannt. Ob aber der eine von regelmäßig tausend Bewerbern den Job erhält, weil er wirklich die beste Ausbildung hat oder einfach nur Glück und gute Kontakte nachhalfen, bleibt ebenso unbeantwortet, wie die Frage, ob bei tausend Bewerbungen auf eine Stelle nicht etwas ganz anderes hierzulande schief läuft.

Für Ex-SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel ging es zunächst darum, ob er nun als “Urgestein” durchgeht oder nicht. Arroganter konnte der Politiker sich nicht in Szene setzen. Dann der übliche Sozialpopulismus: 8,50 Euro Mindestlohn reichen auch, aber Vermögenssteuer für die 400.000 Millionäre in Deutschland müsse sein. Zudem seien die hohen Abfindungen für Pleite-Manager ungerecht. Warum die rot-grüne Schröder-Fischer-Regierung keine verfassungskonforme Vermögenssteuer auf den Weg brachte und der modernen Sklaverei in Deutschland Tor und Tor öffnete, läßt Vogel offen.

Pfarrer Franz Meurer präsentierte sich als Macher und brillanter Rhetoriker mit dem Herzen auf der Zunge:

“…der einzige Grund, der den Besitz von Kapital rechtfertig, ist der, der Arbeit zu dienen. Wenn wir uns darauf einigen können, dann sollen die Leute so reich sein, wie sie wollen.”

Als “Headhunter für Assis” setzt Meurer auf die Stärke der Gemeinschaft. Wer will, kann es mit entsprechender Hilfe zu etwas bringen. Der Pfarrer arbeitet mit Menschen, die auf dem “ersten Arbeitsmarkt” ohne Chance sind. Er knüpft Kontakte und fordert Einsatz. Seine Methoden sind dabei manchmal unkonventionell. So gibt’s die Zigarette erst, wenn die Hausaufgabe erledigt ist.

Traurig nur, dass Menschen in der viertgrößten Wirtschaftsmacht der Welt einen christlichen Fürsprecher benötigen, um bei Unternehmen Gehör zu finden.

Warum Moderatorin Illner das Reizthema Bildung geschickt ausblendete, obwohl es die Grundlage jeder Karriere ist, bleibt unbeantwortet. Letztlich blieb die illustre Runde weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Man tauschte durchaus unterhaltsam seine Argumente aus, stritt sich über Redezeit und Anrede, aber die wirklichen Ursachen für die soziale Schieflage Deutschlands blieben unangetastet.


Dieser Artikel ist Teil 40 von 58 der Serie Medienkritik



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