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Regierung wünscht linientreuen EZB-Chef

Die Bundesregierung um Angela Merkel (CDU) wünscht sich einen Chef-Währungshüter an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB), der die nationale schwarz-gelbe Klientelpolitik mit einem “stabilen” Währungskurs flankiert. Sein Reisepass soll dabei egal sein.

european central bank

Die Mövenpick-Koalition in Berlin wünscht sich einen Währungshüter, der aufpasst, dass sich der Reichtum ihrer gutbetuchten 20-Prozent-Klientel nicht durch Inflation in Luft auflöst.

Offenbar geht in der Regierung die Angst um, der Staat könnte sich klammheimlich entschulden, die deutsche Wirtschaft übermässig wachsen und das brachliegende Kapital hierzulande unter Investitionsdruck geraten. Dass die steigende Nachfrage nebenbei Arbeitsplätze schaffen würde, ist wohl unseren Oberen ebenso ein Dorn im Auge, wie damit verbundene höhere Löhne.

Die panische Inflationsangst einigt Schwarz-Gelb und Teile der Opposition, wie kein anderes Thema. So erklärte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dem CDU-Zentralorgan BILD, dass ein Kandidat die “richtige innere Überzeugung” haben müsse, wonach “wir” stabile Preise für Wachstum und Wohlstand bräuchten.

Brüderle ließ offen, wer mit “wir” gemeint ist. Wobei 80 Prozent der Bundesbürger gemäss Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) kaum nennenwertes Netto-Vermögen besitzen, das Schwarz-Gelb stabilisieren könnte. Ebenso ist aus dem Wirtschaftsministerium nicht überliefert, wie Langzeitarbeitslose durch die künstlich auf Basis des Preisverfalls bei Autos und Unterhaltungselektronik herausgerechnete Explosion der Lebensmittelpreise zu Wohlstand kommen sollen.

Nachdem Bundesbank-Chef Axel Weber nicht mehr zur Verfügung steht, suchen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) auch die Grünen emsig nach inflationsfesten Kandidaten für die EZB-Spitze. CDU und Grüne sind sich dabei einig und stellen schon mal Anforderungen auf, wie “erfahrener und hochqualifizierter Notenbanker” mit “profunden Kenntnissen der Finanzmärkte”, der von stabiler Geldpolitik überzeugt ist.

Ganz nebenbei soll der EZB-Kronprinz auch noch für eine von Regierungswillen unabhängie Geldpolitik stehen.

Foto: maverick2003 / CC



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