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Rücktritt: Guttenberg hinterlässt verbrannte Erde

Nach dem Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg gibt es keine Gewinner sondern nur Verlierer.

Karl-Theodor zu Guttenberg verlässt nach der Affaire um seine Dissertation und dem Verlust seiner Glaubwürdigkeit das Schlachtfeld. Zurück bleibt verbrannte Erde. Weder Bundeskanzlerin, noch Opposition, Medien oder Bürger können sich zu den Gewinnern zählen.

Zu Guttenberg hat seiner Person und seiner Karriere schwer geschadet. PR-Experte Michael Spreng äußerte gegenüber der Sueddeutschen seine Bedenken, dass zu Guttenberg “momentan” wieder in verantwortliche Ämter zurückkehren könne. Der Ex-Verteidigungsminister hätte die Krise schlecht gemanagt und wäre viel zu spät zurückgetreten. Das scheibchenweise Eingeständnis seiner Täuschungen belasten zu Guttenberg zusätzlich.

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bis zuletzt an einem Hochstapler festgehalten und ihn durch ihre schizophrenen Äusserungen gedeckt. Eine Persönlichkeit lässt sich nicht mal eben im Vorbeigehen in einen unerwünschten Betrüger einerseits und einen hervorragenden und willkommenen Politiker andererseits teilen. Das Volk und insbesondere die Wissenschaft haben zu Guttenberg aus dem Amt gedrängt und der Kanzlerin die Grenzen ihrer Macht gezeigt.

Die schwarz-gelbe Koalition hatte sich am 23. Februar 2011 mit der Opposition während der aktuellen Stunde im Bundestag wohl eine der historischen Schlachten geliefert, welche das hohe Haus in seiner Geschichte je erlebte. Genützt haben die Solidaritätsbekundungen der Koalition und ihre kreativen Lesarten fundamentaler Werte dem Verteidigungsminister wenig. Sie haben nur gezeigt, wie weit sie bereit sind für ihren Machterhalt zu gehen. Ob sich Union und FDP in den kommenden Landtagswahlen vom Schatten des Guttenberg-Skandals werden freimachen können, muss man abwarten.

Die Opposition muss sich den Vorwurf einer politisch motivierten Kampagne gegen einen vermeintlich erfolgreichen Politiker gefallen lassen. Ob sie bei den kommenden Landtagswahlen von der Schädigung von Union und FDP profitieren kann, bleibt fraglich.

Die “BILD” steht als Deutschlands dümmste Tageszeitung da. War sie es doch, die zu Guttenberg zum beliebtesten Politiker stilisierte, bis zuletzt an ihm festhielt und trotz tragischer deutscher Verluste im Afghanistankrieg der Affaire um die Dissertation des obersten Dienstherrn der Soldaten mehr Aufmerksamkeit widmete als den Gefallenen und ihren Angehörigen.

Die Bürger, welche zu Guttenberg unterstützten und dies noch immer tun, werden sich die Frage gefallen lassen müssen, warum es im 21. Jahrhundert trotz Internet und Medienvielfalt einer einzelnen Zeitung gelingt, eine solche Eulenspiegelei mit ihnen zu treiben.

Die kritischen Medien werden sich kaum im Ansehen der Bürger sonnen können, weil ihnen in den Augen vieler Menschen der Vorwurf anhaftet, sie hätten eine Hetzjagd veranstaltet.

Wie hoch der Schaden am Wissenschaftsstandort Deutschland ist, wird die Zukunft zeigen. Bislang haben wir eine mit Plagiaten durchsetzte Doktorarbeit, einen mit höchster Auszeichnung verliehenen Doktortitel und die Universität Bayreuth, die sich fragen muss, warum Doktorvater und Prüfer nicht schon anhand der Stilbrüche erkannten, dass die Arbeit offenbar Unregelmässigkeiten enthält. Auch steht die Frage nach den wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Universität und Familie zu Guttenberg und ihren Auswirkungen auf die Dissertation im Raum.

Es gibt keine Gewinner.



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