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Sparmassnahmen: Röslers Gesundheitsreform lässt Beiträge explodieren

Die Bundesregierung hat heute die “Sparmassnahmen” des Gesundheitsministers Philipp Rösler (FDP) für 2011 und Folgejahre beschlossen. Das Paket muss noch durch den Bundestag. Wirtschaftsthemen erklärt, wie viel Netto vom Brutto nach Abzug der gesetzlichen Krankenkassenbeiträge uns Bürgern noch übrig bleibt:

injection spritzenBeitragserhöhung ab 2011
Weil die demografische Entwicklung in Deutschland voranschreitet und auch vor der Tatsache nicht halt macht, dass die geburtenstarken Jahrgänge (Babyboomer) mindestens noch bis zum Jahr 2030 arbeiten werden, steigen ab dem Jahre 2011 schon einmal vorsorglich die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Erhöhung von zunächst 14,9 auf 15,5 Prozent wird von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen getragen. Damit zahlen gesetzlich versicherte Rentner und Arbeitnehmer ab kommendem Jahr 8,2 Prozent vom versicherungspflichtigen Einkommen. Von 1.000 Euro Rente wären also statt 79 Euro jetzt 82 Euro an die GKV zu bezahlen. Der Arbeitgeberanteil steigt letztmalig von 7,0 auf 7,3 Prozent. Weitere Kostensteigerungen tragen Arbeitnehmer und Rentner allein. Damit werden zwar künftig steigende Beiträge der GKV von den Arbeitskosten abgekoppelt, aber die starken Arbeitgeberverbände verlieren eben auch das Interesse, sich für niedrige Gesundheitskosten auf die Seite der Arbeitnehmer zu stellen. Teile und herrsche!

Mitversicherte Familienangehörige
Trotz steigender Ausgaben für Medikamente und Behandlungen bleiben in der GKV Mitversicherte (nicht erwerbstätige Familienangehörige und Kinder) im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung auch weiterhin beitragsfrei.

Zusatzbeiträge
Krankenkassen dürfen bei Bedarf künftig Zusatzbeiträge direkt von ihren Mitgliedern verlangen. Ist der durchschnittliche Zusatzbeitrag höher als 2 Prozent des versicherungspflichtigen Einkommens, erfolgt ein Sozialausgleich über Arbeitgeber oder Rentenversicherung.

Der Hammer! – Begrenzter Sozialausgleich!
Verlangt eine Krankenkasse einen überdurchschnittlich hohen Zusatzbeitrag erfolgt der Sozialausgleich ebenfalls nur bis zum festgelegten Durchschnitt. Den darüberliegenden Betrag bezahlen Rentner und Arbeitnehmer allein.

Kassenwechsel
Sobald die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt oder ihn erhöht, darf zu einer günstigeren Kasse gewechselt werden. Die Kündigungsfrist soll zwei Monate betragen.

Klagewelle droht
Während GKV-Beiträge bislang automatisch über den Arbeitgeber oder die Rentenversicherung abgeführt wurden, müssen sich die Krankenkassen bezüglich der Zusatzbeiträge künftig auf die Zahlungsmoral und die Bonität ihrer Mitglieder verlassen. Wer die Zahlung vergisst oder wessen Konto nicht gedeckt ist, kann mit Mahnverfahren und Zwangsvollstreckung rechnen. Umgekehrt werden GKV-Mitglieder bei gefühlt zu hohen oder überdurchschnittlichen Zusatzbeiträgen gegen die Kassen klagen. Ob das Fortbestehen der Zweiklassenmedizin vor dem Gelichheitsgebot des Grundgesetzes auch weiterhin Bestand haben wird, bleibt ebenfalls fraglich.

Foto: NathanF / CC



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