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Vier Millionen Arbeitsplätze und keiner will sie!

50983_R_by_Beate-Klinger_pixelio.deklDas Ding schlug ins Sommerloch ein wie eine Bombe. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier will bis zum Jahre 2020 vier Millionen neue Arbeitsplätze schaffen und erntet Kritik von allen Seiten.

Die SPD will bis zum Jahre 2020 vier Millionen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, davon zwei Millionen im Umweltsektor, eine Million in der Gesundheitswirtschaft, 500.000 weitere in der Kreativwirtschaft und noch einmal 500.000 in Logistik, Handel und Tourismus.

Die Union wittert Kommunismus, DIE LINKE stimmt Steinmeier zwar in der Sache zu, dumm ist nur, dass der Vorstoss ausgerechnet von der SPD kommt und fast zwei Drittel der Bürger trauen dem Vorschlag nicht über den Weg. Geht nicht, kann gar nicht funktionieren, Wahlkampf und überhaupt, so etwas haben wir noch nie gemacht.

Hatte Kennedy nicht am 25. Mai 1961 mit seiner berühmten Rede den Mondflug als schier unerreichbares Ziel ins Visier der Amerikaner gerückt und hatten sie es nicht innerhalb des versprochenen Zeitrahmens erreicht?

Nun will Steinmeier mit uns nicht zum Mond sondern einfach nur vier Millionen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Für seine Kritiker scheint dieses ehrgeizige Ziel dennoch einem Griff nach den Sternen gleich. Aber hatte Einstein nicht gesagt, dass eine Idee erst absurd erscheinen muss, damit sie etwas taugt? Vielleicht ist die Kritik daher ein gutes Zeichen.

Ich mag die SPD auch nicht. Diese Partei ist für die ganze Misere am Arbeitsmarkt verantwortlich. Darum geht es aber jetzt nicht. Denn Fakt ist: Deutschland braucht die neuen Arbeitsplätze, weil die derzeit verfügbaren eben nicht ausreichen und die Folgen der aktuellen Arbeitsmarktsituation für unser Land dramatisch sind. Gestützte Jobs im Billiglohnsektor kosten dem Staat mehr als sie ihm Einnahmen bringen. Die Ausgaben für Millionen Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger lasten schwer auf unserem Haushalt. Wäre es daher nicht logisch, die Menschen wieder zu marktfähigen Konditionen in Lohn und Brot zu bringen, damit den Staatshaushalt zu entlasten, die Wirtschaft zu fördern und letztlich höhere Einnahmen zu generieren? Wer soll künfig die Rente bezahlen, wenn die Hälfte arbeitslos ist?

Union und FDP tun so, als ob wir die Verantwortung für das Wohl der Gesellschaft allein der Wirtschaft überlassen könnten. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass das nicht funktioniert. Durch Globalisierung und ständig steigende Effektivität hat die Wirtschaft es allein nicht geschafft, die Menschen hinreichend zu beschäftigen.

2942072386_276fb705ef_oklIst Steinmeiers Vorstoss realistisch?
Gegenfrage: Welche Alternative haben wir? Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brüstete sich in der Vergangenheit gerne mit Deutschlands Führungsrolle bei Umwelttechnologien, was eher auf SPD und Grüne zurückzuführen ist. Aber egal. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise haben die USA den wirtschaftlichen Umweltschutz für sich entdeckt. Derweil ist Merkel zu diesem Thema auffallend still geworden. Union und FDP setzen lieber im Auftrage von Vattenfall & Co auf Kern- und Kohlekraftwerke, während Obama nunmehr die Rettung der Welt plant. Wenn Deutschland nicht aufpasst, ziehen die Amerikaner in wenigen Jahren an uns vorbei. Länder, wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die sich bislang mit Ölförderung eine goldene Nase verdienten, machen schon heute ihre Wirtschaft für moderne Umwelttechnik fit und planen CO2-freie Städte, wie Masdar City – mit Hilfe unserem Fraunhofer Institut. Auch daher ist Steinmeiers Vorschlag richtig und wichtig. Neben Arbeitsplätzen geht es nämlich um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Wie will Steinmeier sein Ziel erreichen?
Durch massive Förderung von Bildung und Mittelstand. Auch das ist neu aber richtig. Merkel hat 500 Milliarden Euro für Banken locker gemacht und mit weiteren 115 Milliarden veraltete Technologien und nicht konkurrenzfähige Unternehmen am Leben gehalten. Das werden ihr unsere Kinder noch schwer übel nehmen, denn es hilft ihnen keinen Deut weiter. Wenn aber Steinmeier die Ertragskraft unseres Nachwuchses beleiht, um ihm eine Perspektive zu geben, wird das zwar nicht jedem gefallen, aber künftige Generationen hätten von solch einer Investition in ihre eigene Zukunft einen echten Nutzen. Man stelle sich vor, ein Student finanziert per Kredit sein Studium. Das ist üblich und Steinmeiers Modell wäre nichts anderes.

Wahlkampftaktik hin, Populismus zurück. Steinmeiers vier Millionen Arbeitsplätze sind sowohl aus politischer als auch aus ökonomischer Sicht vernünftig und richtig. Und nein, nicht jede Idee muss auf Anhieb realistisch klingen, um letztlich doch durchführbar zu sein.

Fotos:
© Beate Klinger / PIXELIO
Modell Masdar City, VAE / Phil Clark / Flickr / cc



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