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Wirtschaftskriminalität: Jeder achte Leiharbeiter muss von Hartz-IV leben

Wer bei einer Leih- und Zeitarbeitsfirma anheuert, riskiert trotz 42-Stundenwoche plus Überstunden in Hartz-IV zu rutschen, weil der Lohn nach Abzug der Verleihungsprovision nicht zum Leben reicht. Wirtschaftsthemen erklärt, wie eine ganze Industrie unseren Staat ausblutet:

Wer Schwarzarbeiter beschäftigt, wird durch unsere Zollfahndung verfolgt, weil er unseren Staat um Steuern und Sozialbeiträge betrügt und den Wettbewerb verzerrt. Wer aber einen Leih- und Zeitarbeiter zum selben Dumpinglohn beschäftigt oder verleiht, betrügt uns nicht nur um Steuern und Sozialabgaben und seine Mitbewerber sondern greift uns zusätzlich in die Tasche, um für seine Arbeiter den Lebensunterhalt zu erschleichen. Der Gewinn wird zwischen Arbeitgeber und Leiharbeitsfirma aufgeteilt.

Lohndumping wurde durch Gesetzgeber legalisiert
Der feine Unterschied: Lohndumping ist in der Leih- und Zeitarbeitsbranche legal, festgeschrieben in der Agenda 2010 und verabschiedet durch die Bundestagsparteien SPD, Grüne, Union und FDP.

Seit den 1990er Jahren explodierte in Deutschland der Niedriglohnsektor um mehr als 40 Prozent. Das belegt eine Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) aus dem Jahre 2009.

Eine ganze Industrie spitzt demnach darauf, dass Bund und Länder deren Arbeitskräfte bezahlen, während der Profit in private Taschen wandert.

Mini-Jobber und Leiharbeiter sind am meisten betroffen
Rund 80 Prozent der Mini-Jobber sind Niedriglöhner und rund 30 Prozent (1,15 Millionen) arbeiten für unter 5 Euro die Stunde. Häufig werden die geringen Löhne aufgestockt, teilte das IAQ in seiner Studie mit. Demnach drücken Arbeitgeber gezielt die Löhne und schicken ihre Mitarbeiter zum Jobcenter der Arbeitsagentur, damit sie sich dort das Existenzminimum sichern lassen.

Leiharbeiter verdienen nur 50 Prozent
Gemäss einer aktuellen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) müssen rund 90.000 Leiharbeiter Hartz-IV beantragen, weil trotz Vollzeitjob der Lohn nicht zum Leben reicht. Demnach fiel das durchschnittliche Brutto-Einkommen von Leiharbeitern im Jahre 2009 mit 1.456 Euro rund 50 Prozent geringer aus als das der klassisch Vollzeitbeschäftigten. Mehr als ein Zehntel der in Deutschland in Leiharbeit beschäftigten Arbeitnehmer verdienen gemäss DGB-Studie nicht einmal 1.000 Euro brutto im Monat.



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