≡ Menu


Wirtschaftskriminalität: Niedriglohnsektor um 40 Prozent gewachsen

IAQ fordert gesetzlichen Mindestlohn

Seit den 1990er Jahren ist der Niedriglohnsektor in Deutschland um mehr als 40 Prozent gewachsen. Heutzutage arbeitet jeder fünfte Erwerbstätige (20,7 Prozent) im Niedriglohnbereich. Im 1995 war es nur jeder siebente (14,7 Prozent), stellt das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) in einer aktuellen Studie fest.

Osten benachteiligt
Gemäss der Studie arbeiteten im Jahre 2008 in Deutschland rund 6,55 Millionen Menschen für Niedriglöhne, die in Westdeutschland mit 7,09 Euro und in Ostdeutschland mit 5,18 Euro pro Stunde unter weit unter der Niedriglohnschwelle lagen. Die steigende Zahl der Geringstverdiener erhielten in 2008 weniger als ein Drittel des mittleren Lohns – 4,75 Euro im Westen und 3,42 Euro im Osten.

Als Niedriglohn gilt gemäss OECD-Kriterien eine Bezahlung, die geringer als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns ist.

Mini-Jobber und Leiharbeiter am meisten betroffen
Rund 80 Prozent der Mini-Jobber sind Niedriglöhner und rund 30 Prozent (1,15 Millionen) arbeiten für unter 5 Euro die Stunde. Häufig werden die geringen Löhne aufgestockt, teilt das IAQ mit. Demnach drücken Arbeitgeber gezielt die Löhne und schicken ihre Mitarbeiter zum Jobcenter der Arbeitsagentur, damit sie sich dort das Existenzminimum sichern lassen.

Branchenbezogener Mindestlohn ist nicht genug
Gemäss IAQ-Report wächst der Niedriglohnsektor in Deutschland weiter, während in den meisten anderen EU-Ländern gesetzliche Mindestlöhne engeführt wurden. „Weder die Sittenwidrigkeitsgrenze noch branchenbezogene Mindestlöhne können die Ausdifferenzierung des Lohnspektrums wirksam begrenzen“, kritisiert IAQ-Direktorin Dr. Claudia Weinkopf. „Daher ist ein gesetzlicher Mindestlohn auch in Deutschland unverzichtbar.“ An anderen europäischen Ländern orientiert, müsste der Gesetzgeber hierzulande Mindestlöhne zwischen 5,93 Euro und 9,18 einführen.



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner