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Zensus 2011: Zur Volkszählung angetreten!

“Fertig werden, Zigaretten aus! – Achtung!“, schallt es aus Berlin. “Zur Volkszählung 2011 in Linie zu einem Glied angetreten! – Richt Euch! – Augen gerade aus! – Durchzählen!” “Eins – zwo – drei….”, dröhnt es zackig aus List, dem nördlichsten Ort Deutschlands.

Es ist 08.30 Uhr. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wippt vor dem Reichstag auf ihren Zehenspitzen auf und ab. Ihre Augen glühen. Die Hände hat sie hinter ihrem Rücken verschränkt. In Lederhandschuhen umklammern sie die Reitpeitsche. “Dreiundzwanzig – vierundzwanzig…” Die Kanzlerin trägt heute nicht einen ihrer üblichen Hosenanzüge. Sie hat Felddienst angelegt und wirkt forsch. Nur das Schiffchen sitzt etwas unvorschriftsmäßig keck auf der linken Seite.

“Vierhundertdreiunddreißig – vierhundertvierunddreißig…” Es wird ein Weilchen dauern, bis aus Einödsbach, dem südlichsten Ort Deutschlands, ein “Einundachzigmillionenachthundertneunundsiebzigtausendneunhundersechsundsiebzig durch!” erschallt. Deshalb hat die Kanzlerin für heute alle Termine abgesagt. Die Zählung muß jetzt endlich mal erfolgen. Das ist alternativlos. Die Europäische Kommission, das Innenministerium und der Küchenbulle müssen über die genaue Volksstärke informiert werden.

“Fünftausendsiebenhunderteinundachtzig – Fünftausendsiebenhundertzweiundachtzig…” ertönt es irgendwo in Schleswig-Holstein. ”Tempo erhöhen!”, brüllt Merkel und murmelt für sich: “Sind hier nicht zur Mast!” Jetzt purzeln die Zahlen in hoher Frequenz. Merkel blinzelt zufrieden in die Maisonne. “Was für ein Tag!”, denkt sie.

Es läuft, wie am Schnürchen. Merkel wippt, das Volk zählt. “Einhundertvierzigtausend – Einhundertfünfzigtausend…” Dabei sind geordnete Volkszählungen nicht so selbstverständlich, wie es jetzt scheinen mag. Erst vor wenigen Tage hatte der Kölner Bürgermeister noch versucht, die Zahl 4711 für seine Stadt zu reservieren, ohne Erfolg. “Wo kämen wir denn hin, wenn sich jeder frei am großen Jackpot bedienen würde.”, hatte Merkel den Kölnern am Telefon gesagt. “Die Zählung beginnt im Norden und endet im Süden, pasta!”

Auch eine Anfrage von Beiersdorf, Hamburg bezüglich der 32, einem Produkt aus 84, ließ die Kanzlerin an sich abprallen. Diesmal muß sie auch gegenüber der Industrie hart bleiben, denn Ordnung muss sein.

Dagegen gab es bei der letzten Volkszählung in Westdeutschland im Jahre 1987 noch erhebliche Widerstände, von wegen Datenschutz und so. “Diese Zeiten sind aber zum Glück vorbei.”, denkt die Kanzlerin. Regierung und die EU brauchen Daten, um die Menschen besser zu kontrollieren. Dass Berlin dabei etwas über die Stränge schießt, hat das Volk zum Glück nicht bemerkt. Merkel nickt zufrieden und blinzelt weiter in die Sonne. “Zweihundertachtzigtausend – Zweihundertneunzigtausend…”, hört sie aus weiter Ferne.



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  • Jacob Jung Mai 14, 2011, 14:10

    13.05.2011 – Seit dieser Woche sind die Volkszähler los. Rund 80.000 Interviewer besuchen repräsentativ ausgewählte Haushalte und Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften oder Wohnheimen. Zusätzlich wurden Fragebögen an die mehr als 17.000 Haus- und Wohnungsbesitzer verschickt.

    Dabei sind die sicht- und spürbaren Direktbefragungen nur die Spitze des Eisbergs. Der eigentliche Zensus spielt sich hinter den Kulissen ab. Registergestützte Volkszählung nennt sich das Konzept, bei dem bereits vorhandene Daten aus verschiedenen Registern und Datenbanken erstmalig zu einer Megadatenbank zusammengezogen werden. Kritiker sehen hierin einen eklatanten Verstoß gegen das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung.

    Mehr dazu im Jacob Jung Blog: http://bit.ly/keRRou

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