Aktien

Geldanlage – 70 Prozent Rendite mit Rohstoffen?







by Frank Kerkau on Juli 2, 2010

Wer vor einem Jahr sein Geld in Palladium anlegte, konnte sich über mehr als 70 Prozent Wertzuwachs freuen. Gold- und Platin-Preise stiegen in den letzten 12 Monaten um rund 30 Prozent. Über ein Investment in Rohstoffe nachzudenken, liegt nahe. Aber wer will schon Tonnen an Kupfer in seinem Keller deponieren oder für seine Goldbestände extra eine Lagerhalle mit Wachschutz mieten? Daher bieten sich dem Anleger verschiedenste Möglichkeiten, an der Preisentwicklung von Rohstoffen zu partizipieren.

Chancen
Die Weltbevölkerung nimmt zu. Die UNO erwartet, dass im Jahre 2050 über 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Langfristig steigt daher der Bedarf nach Gütern aller Art. Um ihn zu befriedigen, braucht die Industrie dringend Rohstoffe. Durch die stetig steigende Nachfrage hat sich der CRB Index seit 1956 nahezu verdreifacht. Zudem wird Rohstoffen ein gewisser Inflationsschutz nachgesagt, was Anleger gerade dieser Tage zu Goldkäufen bewegt.

Risiken

Marktpreisrisiko
Wenn Palladium in 12 Monaten mehr als 70 Prozent zulegt und der Preis aktuell wieder auf dem Niveau von 2008 liegt, bedeutet das einfach, dass sich die Weltwirtschaft wieder erholt. Die Preisentwicklung von Rohstoffen hängt direkt von der Konjunktur und der sich daraus ergebenen Nachfrage ab. Weiteren Einfluss können Handelsbeschränkungen haben, wie sie aktuell von China durchexerziert werden. Des Weiteren entstehen zunehmend Rohstoffkreisläufe durch Recycling.

Währungsrisiko
Da die meisten Rohstoffe in US-Dollar gehandelt werden, müssen europäische Anleger mit Preisänderungen durch Schwankungen des Euro zum Dollar rechnen. Der Wechselkurs hängt wiederum von der wirtschaftlichen Entwicklung in beiden Währungsräumen und von der Politik der Notenbanken ab.

Emittentenrisiko
Wer Aktien z.B. einer Minen-Gesellschaft kauft, beteiligt sich an einem Unternehmen mit allen damit verbundenen Risiken, natürlich zuzüglich der Marktpreis- und Währungsrisiken. Wirtschaftet die Gesellschaft schlecht, droht unter Umständen sogar Totalverlust. Auch unterliegen Aktien den allgemeinen Schwankungen der Aktienmärkte. Die Verarbeitung gerade von Metallen ist oft sehr energieintensiv, was die Industrie stark von Energiepreisen abhängig macht.

Wer Rohstoff-Zertifikate kauft, muss ebenfalls mit Totalverlust rechnen, wenn die Emittentin insolvent wird. Diese schmerzliche Erfahrung machten Anleger mit Zertifikaten der US-Investmentbank Lehman Brothers.

Länderrisiko
Zudem werden Rohstoffe manchmal in politisch instabilen Regionen gewonnen, was Minen-Gesellschaften zusätzlich belasten kann. So wurde die Bougainville Copper Mine auf Papua Neuguinea (PNG) durch die einheimische Bevölkerung gewaltsam lahm gelegt, als vereinbarte Zahlungen an das Dorf Bougainville nur spärlich ankamen und der Tagebau schwere ökologische Schäden verursachte. Als im März 1989 die Armee von PNG versuchte, die Ordnung wieder herzustellen, eskalierte der Konflikt, die Mine musste aufgegeben werden und es kam zu einem 10-jährigen Bürgerkrieg.

Wie nun in Rohstoffe anlegen?
Physische Form, Aktien, Fonds oder Zertifikate, der Anleger hat die Wahl.

Physische Form
Ob Barren oder Münzen, Edelmetalle eignen sich durchaus für eine Verwahrung in physischer Form, sofern man einen Tresor zur Hand hat oder die Bank ein entsprechendes Schliessfach bietet.

Gold und Silber sind im Handel erhältlich, wobei hier der Aufpreis erheblich ist. Interessanter sind Münzen der Bundesbank, deren Ausgabepreis nur knapp über dem Materialwert liegt. Leider ist deren Anzahl begrenzt.

Aktien
Kupfer, Eisen, Kohle oder Aluminium in der Wohnung zu horten, macht wenig Sinn. Besser wären da schon Aktien von soliden Unternehmen. Wobei hier nur indirekt von der Preisentwicklung profitiert werden kann.

Fonds
Rohstoff-Fonds eignen sich zur Risikostreuung, was jedoch auf die Rendite drückt. Der BGF World Mining Fund wäre ein Beispiel.

Zertifikate
Mit Zertifikaten kann der Anleger direkt von Preisentwicklungen profitieren. Sie gibt’s in verschiedensten Versionen und auf alle möglichen Indizes oder Rohstoffarten.

Fazit
Letztlich kann man sagen, dass Rohstoffe eine sinnvolle Beimischung zum Depot sind. Es kommt aber auf das Anlageziel an und Risiken sollten beachtet werden. Anleger, die auf Rendite aus sind, brauchen schon mal einen längeren Atem und sollten sich auf den Märkten gut auskennen. Wer hingegen z.B. Edelmetalle als eine Art Sicherheit für alle Fälle betrachtet, kann sich entweder ein paar Barren oder Münzen hinlegen oder Zertifikate kaufen. Die Rendite spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Foto: Jurii / http://images-of-elements.com/palladium.php / CC


Dieser Artikel ist Teil 13 von 30 der Serie Ratgeber Geld: Vermögensaufbau

{ 1 comment }

Leerverkaufsverbot erneut erweitert

Juni 2, 2010

Die Bundesregierung hat heute den Entwurf für das „Gesetz zur Vorbeugung gegen missbräuchliche Wertpapier- und Derivategeschäfte“ beschlossen. Damit soll eine gesetzliche Grundlage geschaffen und das bereits von der BaFin verhängte Verbot erweitert werden. Wie das Bundesfinanzministerium mitteilt, soll dadurch verhindert werden, dass Spekulanten Short-Positionen eingehen und zugleich Kurse zu ihrem Gunsten manipulieren. Das Verbot betrifft […]

mehr… →

Hohe Eigenkapitalrendite gut für Aktionäre?

Mai 23, 2010

Eine hohe Eigenkapitalrendite bedeutet noch lange keine hohen Gewinne für die Anteilseigner. Manchmal werden Gläubigerbanken kräftig mitfinanziert, denn wenn ein Unternehmen sein Eigenkapital reduziert, muß es Kredit aufnehmen, um sein Geschäftsvolumen aufrecht zu halten. Sehr schön zu sehen, wenn man sich die historischen Zahlen von Hugo Boss anschaut. Zwischen den Jahren 2004 und 2007 betrug […]

mehr… →

Handwerkszeug für Aktionäre

Mai 15, 2009
This entry is part 23 of 30 in the series Ratgeber Geld: Vermögensaufbau

Fondsmanager und Kreditgeber schauen sich die Unternehmen, deren Anteile sie kaufen oder denen sie ihr Geld leihen, genau an. Wirtschaftsthemen erklärt, wie Aktionäre davon profitieren können: André Kostolany empfahl Aktien als langfristiges Investment zu kaufen und sich danach schlafen zu legen. Er empfahl jedoch nicht, irgendwelche Aktien zu kaufen. Bevor Warren Buffet eine Kaufentscheidung für […]

mehr… →

HRE-Aktionäre – Recht auf Schadensersatz?

März 7, 2009
This entry is part 17 of 37 in the series Hypo Real Estate - HRE - pbb Deutsche Pfandbriefbank

Im Bericht der Hypo Real Estate über das 2. Quartal 2008 finden sich Aussagen bezüglich Liquiditätssteuerung und Refinanzierung, die offenbar nicht der finanziellen Situation der HRE und der Depfa zum Berichtszeitpunkt entsprechen. Die Prüfer der BaFin wiesen schon im ersten Quartal 2008 auf riskante kurzfristige Refinanzierungen bei der Depfa hin. Von der Auswertung der BaFin […]

mehr… →

Chapter 11 oder Chapter 7 – Was passiert mit Aktien, Anleihen und Krediten?

November 22, 2008

Übersteigt die Summe der Verbindlichkeiten die Summe der Unternehmenswerte, muss ein US-Unternehmen dies seinem Bundesinsolvenzgericht melden. Es hat dann mehrere Möglichkeiten: vollständige Liquidation gemäss Chapter 7 (meiste Form der Insolvenz in den USA) beaufsichtigte Insolvenz und Reorganisation gemäss Chapter 11 individuelle Restrukturierung der Schulden nach Chapter 13. Bei Liquidation nach Chapter 7 stellt das Unternehmen […]

mehr… →

Wie weit fällt der DAX denn noch?

November 21, 2008

Wenn der DAX die wichtige Unterstützung um die Marke 4.000 Punkte unterschreitet, sollten Stände von 3.000 Zählern oder weniger drin sein. Im Moment sind DAX-Werte immer noch viel zu teuer, mir jedenfalls. Die Rezession kommt und sie wird mit ihrem Domino-Effekt auch zur Zeit noch unschuldige Unternehmen treffen. Im Moment spielen Firmen-Lenker und Politik konzeptlos […]

mehr… →

Welche Aktien jetzt kaufen?

Oktober 9, 2008

Es gibt tatsächlich Hasardeure, die dem aktuellen Dax-Chart irgendwelche positiven Zeichen für eine Kurserholung oder Trendumkehr abgewinnen. Ich seh da nichts. Der DAX hat seinen seit Anfang 2007 bestehenden Abwärtstrend und sämtliche Unterstützungen nach unten durchbrochen und befindet sich im freien Fall. Einen Totalen Ausverkauf gab es bislang nicht. Fundamental wissen wir immer noch nicht, […]

mehr… →