Bild

BILD-Volks-Versicherung im Test: Der große Rendite-Schwindel







by Frank Kerkau on September 24, 2010

Die BILD-Volks-Versicherung wirbt mit “angenommenen” 7,44 Prozent Rendite pro Jahr. Entsprechend hoch erscheint das Vermögen am Ende der Laufzeit trotz geringen monatlichen Versicherungsbeiträgen. Erträge in dieser Höhe erwirtschaften derzeit noch nicht einmal risikante Börsengeschäfte. Wirtschaftsthemen entlarvt den großen BILD-Versicherungsschwindel:

bild volks-versicherung vpv renditeBILD und Versicherer VPV trommeln emsig für ihre Kapitallebensversicherung, die sogenannte “Volks-Versicherung”. Denn eine Altersvorsorge benötigt in Deutschland schliesslich jeder. Die Frage dabei ist, wie seriös und effektiv eine Kapitalanlage sein kann, wenn man mit deren Abschlussgebühr (Provision) sogar die Boulevard-Presse zu kaufen vermag und die Rendite der Finanzprodukte, in die deutsche Lebensversicherer ihre Kundengelder investieren müssen, das letzte Mal vor 15 Jahren an der 7,0-Prozent-Marke gekratzt hatte, um sich seitdem im freien Fall zu befinden.

Sparplan mit “angenommenen” 7,44 Prozent Rendite?
Hiesige Versicherer müssen mindestens 65 Prozent des ihnen anvertrauten Kapitals in sichere Hypothekenpfandbriefe anlegen. Das verlangt der Gesetzgeber. Bei den meisten Gesellschaften ist der Anteil solcher Pfandbriefe im Portfolio wesentlich höher. Dies drückt zwar auf die Rendite, aber verringert erheblich das Risiko.

Die durchschnittlichen Umlaufrenditen der Hypothekenpfandbriefe lagen gemäß Bundesbank Anfang der 1990er Jahre bei historisch rekordverdächtigen runden 9,0 Prozent. 1995 fielen sie nachhaltig unter 7,0 Prozent. Im Jahre 2002 sahen wir letztmalig die Marke von 5,0 Prozent und heute kämpfen wir mit der Markierung von 3,0 Prozent.

Damit die Hypothekenzinsen in Deutschland aber wieder steigen, müssten mehrere Szenarien zusammen treffen:

  • Die Wirtschaft Europas müsste signifikant wachsen.
  • Eine solide Inflation müsste die EZB zwingen, den Leitzins drastisch zu erhöhen.
  • Ein Bau-Boom müsste die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen in Deutschland quasi explodieren lassen.

Ein starkes Wirtschaftswachstum in Europa sehe ich derzeit nicht. Ebenso dürfte uns in den kommenden Jahren eher die Deflation beschäftigen. Es sei denn, Bundesbank-Chef Axel Weber wird EZB-Präsident und weicht von seiner Politik des stabilen Euros ab. Und von einer explosionsartigen und vor allem nachhaltigen Nachfrage nach Immobilien in Deutschland kann weder durch Wirtschaftswachstum noch durch die demographische Entwicklung ernsthaft ausgegangen werden.

Die durch die Bundesbank angegebenen Renditen beziehen sich auf Einmalanlagen. Wer sein Vermögen erst anspart, muss weitere Renditeeinbußen hinnehmen.

Kosten und Risikoabsicherung
Wenn wir uns über 7,44 Prozent Rendite bei Kapitallebensversicherungen unterhalten, müssen wir vom eingezahlten Geld natürlich vorher Kosten, wie Abschlussgebühr, Verwaltung und natürlich den Anteil der Absicherung des biologischen Risikos abziehen. Eine Risikolebensversicherung für einen 30-Jährigen Mann bei einer Mindestversicherungssumme von 30.000 Euro und einer Laufzeit von 35 Jahren kostet aktuell durchschnittlich 15 Euro pro Monat. Die Abschlussgebühr einer Kapitallebensversicherung beträgt in der Regel 24 Monatsbeiträge. Die Verwaltungskosten der Lebensversicherer liegen im Durchschnitt bei 3,0 Prozent. Auch diese Kosten schmälern unsere Rendite weiter.

Wenn heutzutage die Lebensversicherer noch Netto-Renditen um durchschnittliche 4,2 Prozent melden, dann liegt der Grund in der Hochzinsphase der 1990er Jahre.

Vor diesem Hintergrund mit einer Beispielrechnung zu werben, bei der über 30 Jahre lang monatlich 50 Euro eingezahlt werden (Summe: 18.000 Euro abzüglich Kosten, Risikoanteil und Vermittlungsprovision) und nach 35 Jahren eine Ablaufleistung von fast 80.000 Euro stehen soll, halte ich schlicht für eine Frechheit.

110 Prozent Beitragsgarantie – weit unter Branchendurchschnitt
In Zeiten der Finanzkrise sind Garantien für das Ersparte Gold wert. Wenn aber für über 35 Jahre angelegtes Kapital nur ein Zuwachs von mickrigen 10 Prozent (0,3 Prozent Zinsen p.a.) garantiert wird, dann ist das im Branchenvergleich äusserst dürftig. Gemäss Ino24.de ist derzeit eine jährliche Garantieverzinsung von rund 1,0 Prozent üblich. Rechnen Sie’s nach! Die Branche bietet einen Kapitalzuwachs von 40 Prozent über 35 Jahre.

Die VPV wäre mir als Anleger zu klein
Nach eigenen Angaben betreute die VPV im Jahre 2009 rund 1.700 Versicherungserträge und einen Kapitalanlagenbestand in Höhe von rund 8 Milliarden Euro. Über die Hälfte der Mitarbeiter sind im Aussendienst beschäftigt. Das heisst, die Gesellschaft zahlt Vertriebsprovisionen, was die Erträge schmälert.

Im Vergleich der Kapitalanlagenbestände ist die Allianz Leben mehr als 10-mal so gross. Wenn es schon eine Kapitallebensversicherung als Altersvorsorge sein muss, dann wäre mein Geld bei einem DAX-Konzern wohl sicherer angelegt.

Wer besonders geizig ist, sollte lieber eine Direktversicherung – ohne teuren Außendienst – wie die Cosmos oder die Europa wählen.

Foto: Screenshot


Dieser Artikel ist Teil 12 von 14 der Serie Versicherungen - Tipps und Hintergründe

{ 0 comments }

Kai Diekmann über “seine” BILD oder wie spassig Journalismus sein kann

September 13, 2010
This entry is part 34 of 43 in the series Medienkritik

Journalist und BILD-Chefredakteur Kai Diekmann äusserte sich im SZ-Interview zur BILD: “Das ist ja das Großartige an Bild: Man kann sich so kreativ austoben wie sonst nirgends.” Eine durchaus bemerkenswerte Äusserung eines Mannes, dem in politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen gesamt Deutschland zuhört.

mehr… →

BILD: Bellevue-Brötchen sind für den Koch zum Frühstück!

August 11, 2010
This entry is part 28 of 43 in the series Medienkritik

Das Zentralorgan der CDU erklärt uns, Christian Wulffs Skandal-Semmeln aus Hannover wären für den Koch zum Frühstück bestimmt, weil der ja schliesslich Kunde des Hannoveraner Bäckermeisters sei. Warum die Bundespräsidenten dann aber ihrem Küchenchef für jährlich 1000 Euro die Luxus-Brötchen wegessen, erklärt BILD nicht. Auch die Sache mit der Umwelt sei ja gar nicht so [...]

mehr… →

Warum die Mehrheit der BILD-Leser höhere Hartz-IV-Sätze ablehnt?

August 3, 2010
This entry is part 26 of 43 in the series Medienkritik

Glaubte man Deutschlands grösster Boulevard-Zeitung BILD, dann lehnt die “deutliche Mehrheit” ihrer Leser eine “Anhebung der Regelsätze” für ALG-II-Empfänger ab. Mit Umfragen und deren Ergebnissen ist das immer so eine Sache. Wenn man nämlich nur drei Möglichkeiten zur Auswahl lässt und zwei Antworten auf “Nein” lauten, dann hat mathematisch korrekt die Antwort mit “Ja” nur [...]

mehr… →

Springer-Millionen für Kachelmann?

August 3, 2010
This entry is part 25 of 43 in the series Medienkritik

Wettermoderator Jörg Kachelmann fordert von BILD & Co mehr als zwei Millionen Euro Schmerzensgeld Wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte fordert Jörg Kachelmann vom Axel Springer Verlag, der unter anderem Deutschlands grösste Boulevardzeitung “BILD” vertreibt, ein Schmerzensgeld in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro, meldet Handelsblatt. Bei der Medien-Jagd auf Kachelmann nach seiner Verhaftung am 20. [...]

mehr… →

Medientest: Phoenix ist Deutschlands bester TV-Sender – Welt und Bild müssen nachsitzen

August 1, 2010
This entry is part 24 of 43 in the series Medienkritik

Ich habe jetzt 20 Jahre lang die westdeutschen Massenmedien testen dürfen. Hier ist meine Meinung: Unpolitisch, informativ und kritisch – mit einer konkurrenzlosen Themenvielfalt aus Natur, Wissenschaft, Politik, Kultur und Geschichte ist Phoenix für mich Deutschlands informativster TV-Sender. Vom Politkrimi am Tage bis Infotainment der Extraklasse des Nachts liefert das Gemeinschaftsprojekt von ARD und ZDF [...]

mehr… →

Einen Orden für den Helden – Wie in Stalingrad!

September 17, 2009

Als der Sturm der Deutschen gegen den Stalingrader Himmel von sowjetischen Truppen gestoppt wurde, sandte die Wehrmachtsführung ihren hungernden und frierenden Soldaten eifrig Lametta statt Brot und Winterkleidung. Nachdem Familienvater und Unternehmer Dominik B. sterben musste, weil er sich schützend vor hilflose Kinder stellte, fordern jetzt einige Helden aus Springer-Konzern und Politik das Bundesverdienstkreuz. Soll [...]

mehr… →

Zensur: CDU wirft Spiegel TV aus Kita

August 23, 2009

Spiegel unerwünscht! Spiegel TV Magazin dokumentiert, wie Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Berichterstattung demokratischer Medien unterbindet – trotz Einladung per Pressmitteilung (Video). Drehort: Ostfriesland, Kindertagesstätte. Ein Kamera-Team des Spiegel TV Magazins ist vor Ort, um über den Besuch der Familienministerin in einer Kita zu berichten. Doch hierarchisch korrekt wird der Dreh verhindert. Erst [...]

mehr… →

Winzige 10 Zentimeter

August 14, 2009
This entry is part 19 of 43 in the series Medienkritik

Bild spielt Rechtsverletzung durch CDU herunter. Grevenbroichs CDU nutzte für ihre Wahlwerbung unerlaubt ein Foto mit Bürgermeister-Kandidatin Ursula Kwasny (CDU) und dem “Kanzlerkandidaten der HSP” Horst Schlämmer (aka Hape Kerkeling), welches bei Dreharbeiten zum neuen Film “Isch kandidiere” entstand. Die Produktionsfirma fand das gar nicht lustig und verbot Wahlwerbung solcher Art. Für Bild eine Bagatelle [...]

mehr… →

Medien-Mythen um Goldman Sachs

August 14, 2009
This entry is part 18 of 43 in the series Medienkritik

Die Falschmeldungen um die US-(Ex)-Investmentbank Goldman Sachs summieren sich und alle machen mit: Bild mauschelt bei Staatshilfe und BonuszahlungenSchon seit 22. Juli 2009 wissen zumindest Spiegel-Leser, dass die US-Bank Goldman Sachs ihre Staatshilfen komplett zurückgezahlt hat. Am 03. August 2009 suggeriert Bild, Goldman Sachs wäre immer noch von Staatshilfen abhängig. Bild-Leser müssen eben nicht alles [...]

mehr… →

BamS und der wundersame 80-Prozent-Glaube

Juli 20, 2009
This entry is part 17 of 43 in the series Medienkritik

Da führt das Springer-Blatt Bild am Sonntag (BamS) im Pelz von Emnid eine Umfrage durch, wie die Deutschen so die Siegeschancen der befreundeten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Bundestagswahl einschätzen und Gesamtdeutschland staunt über klare 80 Prozent. Nun, jetzt wollen wir BamS und Emnid mal nichts unterstellen und halten uns an die Fakten. Fakt [...]

mehr… →

Bild und ihr 23-Billiarden-Dollar-Problem

Juli 16, 2009
This entry is part 15 of 43 in the series Medienkritik

Wenn die Amerikaner von Billionen sprechen, meinen sie im europäischen Sinne Milliarden. Das kann schon verwirren. Wenn CNN jedoch den konkreten Betrag abdruckt, nämlich 23.148.855.308.184.500 Dollar, mit dem die VISA-Karte des 22-jährigen Josh Muszynski aus Manchester, New Hampshire für ein einzelnes Päckchen Zigaretten belastet wurde, dann braucht man eigentlich nur die Stellen der Zahl zu [...]

mehr… →

Bild macht Hitler zum Kommunisten

Juli 12, 2009
This entry is part 14 of 43 in the series Medienkritik

Ist das nicht toll? Hitler war eigentlich Kommunist und als Mitglied des Soldatenrates ein lupenreiner Demokrat. “Als am 15. April 1919 die gesamte Münchner Garnison auf die „Kommunistische Raterepublik“ Bayern eingeschworen wurde, war Hitler wiederum dabei.” Allein der amerikanische Chef-Antisemit und Autobauer Henry Ford schaffte es, Hitler innerhalb von nur wenigen Wochen zu bekehren und [...]

mehr… →

Bild zu Schwarz-Rot – Was hat uns die Regierung gebracht?

Juni 22, 2009
This entry is part 13 of 43 in the series Medienkritik

Bild resümiert, was vier Jahre Schwarz-Rot den Bürgern gebracht haben: “Am Ende von vier Jahren großer Koalition heißt es – alles auf Anfang.” Das könnte man fast so stehen lassen, wenn da nicht doch ein paar springerübliche Verschleierungen wären. Wirtschaftsthemen zitiert und klärt auf: “Bei der Arbeitslosigkeit gelang ein mehr als 15 Jahre nicht gesehener [...]

mehr… →

HRE-Schwindel: BILD gibt den Münchhausen

Mai 7, 2009
This entry is part 12 of 43 in the series Medienkritik

In der dramatischen Erzählung “Wer gewinnt durch die Enteignungsschlacht?” versucht das regierungstreue Revolverblatt BILD uns Wählern in Sachen Hypo Real Estate (HRE) und ihrer Aktie den Ritt auf einer Kanonenkugel zu verkaufen. Wirtschaftsthemen deckt die Lügen auf: Lüge 1 – Pfandbriefe BILD erklärt: “Diese Pfandbriefe werden allerdings schon längst nicht mit „realen“ Grundstücken besichert, sondern [...]

mehr… →