Kapitallebensversicherung

Lebensversicherung: Wen juckt der Garantiezins?







by Frank Kerkau on Februar 26, 2011

Zum Jahresende senkt der Staat den Lebensversicherern ihren Höchstrechnungszins (Garantiezins) von 2,25 auf 1,75 Prozent. Die Branche lamentiert. Medien beschwören das Ende der Kapitallebensversicherung. Und wir Anleger? Kratzt uns ein fiktiver Zinssatz?

Das Bundesfinanzministerium reduziert den Garantiezins für Kapitallebensversicherungen ab 01. Januar 2012 von aktuell 2,25 auf 1,75 Prozent. Der Branche ist das zuviel. Eine Rücknahme der Zinses auf 2,0 Prozent wären angemessen. Derweil wittern beschränkte Mainstream-Medien schon das Ende einer deutschen Anlagekultur, der Generationen erfolgreich ihre Vermögen anvertrauten.

Offizell heißt es aus dem Finanzministerium, man wolle die Verbraucher schützen. Aber schützt der hochverschuldete Staat nicht vielmehr seine niedrig verzinsten Wertpapiere vor der Kapitalflucht. Warum sonst wohl kommt diese Zinssenkung per Dekret gerade in einer Phase, in der die Marktzinsen nach Norden drehen, aber die öffentliche Hand um jeden Euro ringt?

Ebenso interessant erscheint der Fakt, dass trotz jahrelanger Niedrigzinsphase die Allianz Leben als größter Lebensversicherer Deutschlands beispielsweise noch immer regelmäßig Renditen in Höhe von um die 4,0 Prozent melden kann. Diese Top-Renditen in der Branche belegen, daß das staatliche Zinsdiktat bei weitem kein Verkaufsargument ist, wie fälschlich gerne behauptet. Denn wer kann wohl nach der Gleichschaltung sämtlicher Versicherer noch ernsthaft mit seinen mickrigen 1,75 Prozent prahlen, wenn die Mitbewerber durch Kursgewinne, Zwangsausschüttungen sowie Gewinn- und Überschussbeteiligungen mehr als das Doppelte an Rendite nachweisen? Zinsen sind auch eben für deutsche Lebensversicherer eben nicht alles.

Der Höchstrechnungszins mag zwar landläufig als eine Art Schutzpatron gelten, der kleine übereifrige Gesellschaften vor sich selbst behüten soll. Eine Auffassung, die wohl eher den Zielen der Lobbyisten geschuldet ist, die jede noch so kleine Versicherungsgesellschaft auf Teufel komm raus erhalten wollen. Brauchen wir die alle?

Der Garantiezins war bislang eine fiktive Rechengröße, weil die Versicherer regelmäßig höhere Renditen erwirtschafteten. Das Bundesfinanzministerium hat mit seiner Entscheidung, in einer allgemeinen Phase steigender Marktzinsen den Höchstrechnungszins zu senken, auch diesmal dafür gesorgt, daß das so bleibt.


Dieser Artikel ist Teil 19 von 19 der Serie Ratgeber Geld: Versicherungen - Tipps und Hintergründe

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