Volkszählung

Zensus 2011: Zur Volkszählung angetreten!







by Frank Kerkau on Mai 9, 2011

“Fertig werden, Zigaretten aus! – Achtung!“, schallt es aus Berlin. “Zur Volkszählung 2011 in Linie zu einem Glied angetreten! – Richt Euch! – Augen gerade aus! – Durchzählen!” “Eins – zwo – drei….”, dröhnt es zackig aus List, dem nördlichsten Ort Deutschlands.

Es ist 08.30 Uhr. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wippt vor dem Reichstag auf ihren Zehenspitzen auf und ab. Ihre Augen glühen. Die Hände hat sie hinter ihrem Rücken verschränkt. In Lederhandschuhen umklammern sie die Reitpeitsche. “Dreiundzwanzig – vierundzwanzig…” Die Kanzlerin trägt heute nicht einen ihrer üblichen Hosenanzüge. Sie hat Felddienst angelegt und wirkt forsch. Nur das Schiffchen sitzt etwas unvorschriftsmäßig keck auf der linken Seite.

“Vierhundertdreiunddreißig – vierhundertvierunddreißig…” Es wird ein Weilchen dauern, bis aus Einödsbach, dem südlichsten Ort Deutschlands, ein “Einundachzigmillionenachthundertneunundsiebzigtausendneunhundersechsundsiebzig durch!” erschallt. Deshalb hat die Kanzlerin für heute alle Termine abgesagt. Die Zählung muß jetzt endlich mal erfolgen. Das ist alternativlos. Die Europäische Kommission, das Innenministerium und der Küchenbulle müssen über die genaue Volksstärke informiert werden.

“Fünftausendsiebenhunderteinundachtzig – Fünftausendsiebenhundertzweiundachtzig…” ertönt es irgendwo in Schleswig-Holstein. ”Tempo erhöhen!”, brüllt Merkel und murmelt für sich: “Sind hier nicht zur Mast!” Jetzt purzeln die Zahlen in hoher Frequenz. Merkel blinzelt zufrieden in die Maisonne. “Was für ein Tag!”, denkt sie.

Es läuft, wie am Schnürchen. Merkel wippt, das Volk zählt. “Einhundertvierzigtausend – Einhundertfünfzigtausend…” Dabei sind geordnete Volkszählungen nicht so selbstverständlich, wie es jetzt scheinen mag. Erst vor wenigen Tage hatte der Kölner Bürgermeister noch versucht, die Zahl 4711 für seine Stadt zu reservieren, ohne Erfolg. “Wo kämen wir denn hin, wenn sich jeder frei am großen Jackpot bedienen würde.”, hatte Merkel den Kölnern am Telefon gesagt. “Die Zählung beginnt im Norden und endet im Süden, pasta!”

Auch eine Anfrage von Beiersdorf, Hamburg bezüglich der 32, einem Produkt aus 8×4, ließ die Kanzlerin an sich abprallen. Diesmal muß sie auch gegenüber der Industrie hart bleiben, denn Ordnung muss sein.

Dagegen gab es bei der letzten Volkszählung in Westdeutschland im Jahre 1987 noch erhebliche Widerstände, von wegen Datenschutz und so. “Diese Zeiten sind aber zum Glück vorbei.”, denkt die Kanzlerin. Regierung und die EU brauchen Daten, um die Menschen besser zu kontrollieren. Dass Berlin dabei etwas über die Stränge schießt, hat das Volk zum Glück nicht bemerkt. Merkel nickt zufrieden und blinzelt weiter in die Sonne. “Zweihundertachtzigtausend – Zweihundertneunzigtausend…”, hört sie aus weiter Ferne.

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