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Google Books – Böse oder nur unserer Zeit voraus?

Verlage, Medien und Google streiten über “Google Books”. Der Suchmaschinenbetreiber würde das Urheberrecht der Verlage verletzen und ungefragt Millionen von Büchern digitalisieren und der Allgemeinheit zugänglich machen. Darunter tauchen auch längst vergessene sogenannte tote Bücher auf, die ohne Google-Suche nie wieder gefunden würden. Eigentlich müssten die Verlage froh sein, dass die Bücher nunmehr weltweit von jedem beliebigen Ort abrufbar sind. Doch sie sind es nicht.

Früher war es so:
Der Autor saß auf seinem Balkon, im Schatten von Palmen und hämmerte seinen Text mit einer ehrwürdigen Schreibmaschine auf Papier – tak, tak, tak. Auf dem Tisch eine Tasse Kaffee, zwischen den Zähnen eine Tabakspfeife – tak, tak, tak. So entstand das Manuskript. Zwischendurch klingelte das Telefon und der Verleger erkundigte sich, wann denn nun endlich das Buch fertig sei und jammerte, dass er schon Unsummen in einen faulen Autor investiert hätte. Nachdem der Verleger nochmals vertröstet und neuer Kaffee aufgesetzt war, schrob der Autor weiter – tak, tak, tak.

Das fertige Manuskript erhielt der Verleger. Der kritisierte dran rum, strich und änderte, gab es dem Autor zurück und der schrieb alles nochmal ab. War der Verleger irgendwann zufrieden, ging das Manuskript in den Druck. Die einzelnen Seiten wurden gebunden, mit Buchdeckel und Schutzumschlag versehen. Damit war das Buch fertig zum Versand an eine Bücherei oder an eine Buchhandlung.

Wer verdiente am Buch alles mit?

  • Autor
  • Verleger
  • Druckerei
  • Buchbinderei
  • Post
  • Buchhändler
  • Bibliothek

Juristisch hat zunächst der Autor das Urheberrecht und das Verwertungsrecht. Das Urheberrecht ist nicht übertragbar, auch nicht auf den Verleger. Das kann dem Autor niemand nehmen. Sein Verwertungsrecht kann der Autor auf den Verleger übertragen. In der Regel wird er das tun, um mit seinem Buch möglichst viele Leser zu erreichen.

Künftig wird es so sein:
Der Autor sitzt auf seinem Balkon, im Schatten von Palmen und klopft seinen Text in ein Notebook mit Open Source Software. Auf dem Tisch ein Glas Mineralwasser, im Mund einen Kaugummi – klopf, klopf, klopf. Ist das Manuskript fertig, redigiert es der Autor selbst. Die Rechtschreibung wird durch die Software geprüft. Sobald der Autor mit sich, seiner Welt und seinem Werk zufrieden ist, bringt er es in eine für E-Book-Reader lesbare Form, übernimmt die Vermarktung selbst und schickt es zum Beispiel an Google Books und an so Online Versandhändler. Die brauchen nun nur noch das Buch als kostenpflichtiges Download anzubieten.

Wer verdient künftig am Buch alles mit?

  • Autor
  • Google Books
  • Online Shops

Somit halten wir das wahre Problem der Verlage beim Schopf. Nicht das Urheberrecht oder das Verwertungsrecht oder gar Google sind die Übeltäter. Die Verlage haben einfach nur die Entwicklung verschlafen, genauso wie die Musikindustrie. Sie haben sich durch Internet und Digitalisierung die Vertriebswege und die Vermarktung aus der Hand nehmen lassen.

Das einzige, was Kritiker Google vorwerfen könnten, ist die Konsequenz mit der Mountain Viewer vorgehen, aber unsere Kinder werden es Google danken. Wer heute in einer Buchhandlung ein Buch kauft, muss entweder genau wissen, welches er sucht oder er verbringt Stunden damit, das richtige zu finden. Der Leser bekommt zudem keinen Überblick über alle am Markt erhältlichen Angebote. Im schlimmsten Falle muss er das Buch dann bestellen und wochenlang auf Lieferung warten. Für Bildung und Wirtschaft ein Graus. Das muss aufhören und es wird!



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