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Beispiel für operationelles Risiko bei Banken

Die Hausbank einer Firma erhält einen Pfändungs- und Überweisungs-Beschluss (PfÜB). Der Sachbearbeiter der Bank findet in der EDV den Geschäftsführer nicht, weil dessen Vorname im PfÜB falsch angegeben wurde. Er schliesst daraus, dass keine Geschäftsverbindung mit der Schuldnerin besteht und gibt eine entsprechende negative Drittschuldnererklärung ab.

Dies voraus geschickt, hier einige Gedanken zum Prozess innerhalb der Bank:

Trotzdem im Vorfeld schon ein vorläufiges Zahlungsverbot im Hause sein muss, landet der PfÜB erstmal in der Poststelle. Idealerweise wird er sofort an die entsprechende Kontoführung weitergeleitet. Spätestens hier sollte die EDV-Abfrage nach Firma UND Geschäftsführer erfolgen. Dabei muss auffallen, dass die Bank zur Schuldnerin eine Geschäftsverbindung unterhält. Das ist der Idealfall und setzt voraus, dass entsprechend geschulte Mitarbeiter sich der Angelegenheit annehmen, sprich, über den so genannten Tellerrand hinaus die Dinge betrachten.

Da jedoch die Banken in ihrem Standardisierungs- und Automatisierungswahn die Know-How-Träger, weil zu teuer, rausgewippt haben, kann solch ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss im Retailbanking leicht verkannt werden, wie in dem Falle auch geschehen. Hinzu kommt, dass die Sachbearbeiter immer weniger Zeit haben, sich mit solchen nicht alltäglichen Dingen auseinanderzusetzen oder darin Erfahrungen zu sammeln. Sollte jedoch der Sachbearbeiter – durch ein Vorläufiges Zahlungsverbot schon gewarnt – vorsätzlich gehandelt haben, kann man der Bank vorsätzliche Täuschung vorwerfen.

Ein typischer Prozessfehler, dabei wäre die Lösung so einfach:

Solche Fälle, wie Zahlungsverbote und Pfändungen, sollten nur dann von der Kontoführung beantwortet werden, wenn zweifelsfrei entsprechendes Guthaben vorhanden ist und die Zahlung auf die Schuld zeitnah erfolgen wird. Soll die Pfändung oder Teile davon – aus welchen Gründen auch immer – nicht bedient werden, dann ist zwingend die Rechtsabteilung mit der Abgabe der Drittschuldnererklärung zu beauftragen.

Voraussetzung ist natürlich, dass die Bank den Geschäftsführer und die Firma in ein und derselben EDV zusammengeführt, sprich zugeordnet hat. In einigen Häusern ist es auch heute noch so, dass Privatkunden (hier: Geschäftsführer) und Geschäftskunden (hier: Firma) in unterschiedlichen EDV-Systemen geführt werden. Wenn jetzt der Sachbearbeiter im Retailbanking davon ausgeht, dass die Pfändung gegen den Geschäftsführer geht, weil die Poststelle diese nicht in Geschäftskunden-Abteilung geleitet hat, dann hätte er keine Chance dies per EDV-Abfrage zu erkennen. Er müsste jedoch soviel Sachverstand haben, dass er die Zuständigkeit richtig erkennt und die Pfändung entsprechend weiterleitet. Dies jedoch sehe ich in der heutigen deutschen Bankenlandschaft nicht.

Früher war es so, aber wie heisst es so schön:”Früher hatten wir einen Kaiser, was haben wir heute, Freitag!”

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