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Das Basel II-Gespenst geht um

Kaum haben sich die Banken zu ihrer eigenen Sicherheit, Transparenz und Vergleichbarkeit von Ratings etwas ausgedacht, gerät die gesamte Wirtschaft in Panik. Wenn man den Medien glauben darf, kommt mit der Inkraftsetzung der “Neuen Baseler Eigenkapitalververeinbarung” (Basel II) am 01.01.2007 in Deutschland das “Jüngste Gericht” für alle Kreditnehmer.

Na schön! Zur Erinnerung, die Banken arbeiten seit 1999 an der Umsetzung von Basel II, mal mehr, mal weniger schnell und effizient. Das heisst, dass in einzelnen Kreditinstituten das Thema schon lange weitestgehend in “Sack und Tüten” ist. Haben Sie in der Vergangenheit was bemerkt? Nein!

Das ist nämlich genau der Punkt. Auf den Kreditkunden wirkt sich Basel II direkt überhaupt nicht und indirekt nur sehr diskret aus. Warum? Weil Basel II beschlossen wurde, um in erster Linie bankinterne Risiken transparent, vergleichbar und reduzierbar zu machen. Dass daraus folgend sich natürlich günstige Zinsen für gute Bonitäten ergeben, sollte so schlecht gar nicht sein. Warum muss ein Rating 1-Kunde das Kreditrisiko für einen Rating 10-Kunden mitbezahlen?

Aaah jetzt ja! Da uns als Kreditnehmer der Bankaufsichtliche Überprüfungsprozess und die Mindestkapitalanforderungen von Banken eher weniger interessiert, kümmert uns umso mehr die Erweiterte Offenlegung.

Hier werden die Kreditinstitute nun angehalten, besser auf die Kreditrisiken zu achten, welche sie eingehen. Heisst, dass Kreditinstitute, die höhere Kreditrisiken im Portfolio haben und das neuerdings offenlegen, sich am Markt zu schlechteren Konditionen refinanzieren müssen. Also, je mehr faule Kredite bei einer Bank im Keller liegen, umso mehr muss sie am Kapitalmarkt bezahlen, um an frisches Geld zu gelangen, sich zu refinanzieren. Das schlägt natürlich auch auf den Zinssatz für den Kreditkunden durch. Heisst, je schlechter seine Bonität, je höher damit sein Kreditausfallrisiko und je schlechter damit sein Rating ist, umso höher ist der Zinssatz, den er bezahlen muss.

Wobei Basel II hier den Banken verschienene Möglichkeiten der Gestaltung offen lässt. Das geht vom einfachen Rating-Ansatz, der im Handling weniger Aufwand erfordert, jedoch härter vom Markt bestraft wird bis hin zum erweiterten Rating-Ansatz, der mehr Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten liefert und durch den Markt besser honoriert wird.

Das ist das ganze Geheimnis und für Unternehmen und Privatpersonen mit vernünftiger bis guter Bonität ganz sicher nicht die schlechteste Entwicklung. Oder?

Btw., was ich nicht verstehe, dass sich Unternehmen auf Basell II vorbereiten müssen. Haben die in der Vergangenheit ihr Geschäft planlos und blauäugig betrieben?

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