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Deutsche Bank und die hohe Kunst der Buchhaltung

189691_R_K_by_Paul-Georg-Meister_pixelio.deklDeutsche-Bank-Chef Josef Ackermann prahlt mit einem Gewinn für das 2. Quartal 2009 in Höhe von 1,1 Milliarden Euro, obwohl die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) des Konzerns im Vergleich zum 2. Quartal 2008 dramatische Verschlechterungen aufzeigt und die Geschäftsentwicklung einen tiefroten Verlust in Höhe von satten 1,7 Milliarden Euro ausweist:

Der Quartalsvergleich der GuV der Deutschen Bank zum Juni 2009 mit dem Vorjahr beweist: Einnahmen- und Ausgaben der Bank haben sich dramatisch verschlechtert.

Der drastische Einbruch von Zinserträgen- und aufwendungen kann auf das allgemein gesunkene Zinsniveau an den Märkten zurückgeführt werden. Dabei ist der Zinsüberschuss leicht zurückgegangen.

Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft wurde um rund eine Milliarde Euro erhöht, so dass der Zinsüberschuss nach Risikovorsorge im Kreditgeschäft um fast 40 Prozent einbrach.

Auch der Provisionsüberschuss fiel um 12 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

Dagegen explodierte das Ergebnis aus zum Fair Value bewerteten finanziellen Vermögenswerten/Verpflichtungen von -475 Millionen Euro auf satte 2,6 Milliarden Euro. (Dazu später mehr.)

Letztlich verdoppelten sich die Zinsunabhängigen Erträge insgesamt auf 5,2 Milliarden Euro.

Trotz Finanzkrise erhöhten sich Personalaufwand auf 3,1 Milliarden Euro und der Sachaufwand auf 2,2 Milliarden Euro. Eine Steigerung um fast 20 Prozent!

Für das Vorjahresquartal wies die Deutsche Bank einen kleinen Gewinn in Höhe von 645 Millionen Euro aus. Trotz einem vergleichsweisen Rückgang der Erträge bei Anstieg der Kosten verdoppelte die Bank ihren Gewinn im Quartal 02/2009 nahezu auf 1,1 Milliarden Euro.

Eine typische GuV nach IFRS
Der Schlüssel für den Buchgewinn der Deutschen Bank liegt in den Positionen Ergebnis aus zum Fair Value bewerteten finanziellen Vermögenswerten/Verpflichtungen und Ergebnis aus nach der Equitymethode bilanzierten Beteiligungen. Während in Deutschland nach HGB nur tatsächlich realisierte Einnahmen und Ausgaben in der GuV wirksam werden (also wenn Geld fliesst), dürfen Unternehmen nach IFRS-Regeln auch nicht realisierte Veränderungen in der Bewertung von Vermögen (Beteiligungen, Forderungen, Wertpapiere) in ihre GuV einstellen. Hinzu kommt, dass in der Finanzkrise Vermögensteile nicht handelbar sind, also mit Wert “Null” anzusetzen wären. Nach neuen IFRS-Regelungen dürfen die Banken jedoch eine fiktive Bewertung vornehmen, als wären solche Vermögensteile immer noch jeder Zeit liquide.

So können sich Banken gesund rechnen und Gewinne verbuchen, die sie in Wahrheit nicht erwirtschafteten, um ihren Aktionären eine “heile Welt” vorzugaukeln.

Foto: © Paul-Georg Meister / PIXELIO



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