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Geschichte der Hypo Real Estate – Vom Spin-Off zur Staatsbank

Begleiten wir die Hypo Real Estate (HRE) in einer Zeitreihe durch die Finanzkrise und erkennen die Bemühungen der Bank ihre durch die Hypovereinsbank aufgebürdeten Lasten an faulen Immobilienkrediten zu reduzieren. Weiter gehts danach über den folgenschweren Entschluss zur DEPFA-Übernahme bis hin zu katastrophalen Versäumnissen der deutschen Politik:


03. September 2001
Die Nürnberger Hypothekenbank, die Süddeutsche Bodencreditbank und die Bayerische Handelsbank fusionieren zur HVB Real Estate Bank AG. Die Bilanzsumme der neuen Bank beträgt 79 Milliarden Euro (30.9.2002). Sie ist mit 779 Mitarbeitern an 10 Standorten vertreten. Die HVB Real Estate AG bündelt das professionelle Immobiliengeschäft der HVB Group. Hintergrund ist die neue Strategie der Hypovereinsbank, sich auf das Privat- und Firmenkundengeschäft zu konzentrieren.

Oktober 2001
Die HVB Real Estate lagert im Rahmen der Aktion “HVB Real Estate 2001-1″ grundpfandrechtlich besicherten Darlehen im Wert von 1,3 Milliarden Euro aus. Ziel ist die Entlastung des Eigenkapitals.

August 2002
Unter “PROVIDE Comfort 2002-1″ fasst die HVB Real Estate weitere 36.000 Immobilienkredite im Wert von insgesamt 3 Milliarden Euro zusammen, unterlegt sie mit Staatsgarantien der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und platziert sie am Markt. “PROVIDE” umfasst insgesamt sechs Transaktionen, welche der Entlastung des Eigenkapitals der HVB Group und der Westbank dienen sollen. Die HVB-Banker nennen dies “Bilanzmanagement”.

09. April 2002
Die neue Muttergesellschaft der DEPFA Group, die DEPFA Holding plc, wechselt ihren Namen in DEPFA BANK plc und erhält durch die irischen Behörden ihre Bankenlizenz.

17. Juni 2002
Die DEPFA hat die Abspaltung ihres Immobiliengeschäfts vollzogen. Dieses Geschäft wird von nun an als Areal Bank firmieren und an der Börse gelistet sein.

Oktober 2002
Die Hypovereinsbank gibt bekannt, alle Hypothekenbank-Beteiligungen in einem Immobilienfinanzierungskonzern bündeln zu wollen. Betroffen sind die HVB Real Estate, die FGH Bank in den Niederlanden, die PBI in Luxemburg sowie die Westfälische Hypothekenbank und die Württembergische Hypothekenbank. Die Bilanzsumme des neuen Konzerns wird 164 Milliarden Euro betragen. Das profitable und risikoarme private Immobilienfinanzierungsgeschäft sowie die äusserst erfolgreichen strukturierten Immobilienfinanzierungen (Real Estate Structured Finance) verbleiben bei der Hypovereinsbank.

08. November 2002
Die Hypovereinsbank hält nun 96,87 Prozent der Aktien der HVB Real Estate. Der “Squeeze-Outs” der verbleibenden Minderheitsaktionäre kann erfolgen.

01. Januar 2003
Der Aufsichtsrat der HVB Real Estate bestellt Georg Funke zum Vorstandsvorsitzenden und löst damit Dr. Egbert Eisele ab.

05. Juni 2003
Als Konsortialführerin platziert die HVB Group Hypothekendarlehen für Gewerbeimmobilien der HVB Real Estate mit einem Volumen von 780 Millionen Euro als toxische Wertpapiere, Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS). Diese vergifteten Papiere wurden in einer speziellen Zweckgesellschaft, einem Special Purpose Vehicle (SPV), untergebracht und durch eine Wertpapier-Emission in Höhe von 800 Millionen Euro in neun Tranchen an 30 Investoren in ganz Europa verteilt und so refinanziert.

22. September 2003
Die neue Hypo Real Estate Group als Holding fast die Hypo Real Estate Bank International, Württembergische Hypothekenbank und die Hypo Real Estate Bank AG zusammen.

29. September 2003
Die Hypo Real Estate Holding wird ins Handelsregister München eingetragen.

Gemäss Umwandlungsgesetz gilt für Schadenersatzansprüche von Altgläubigern nach Abspaltung eine Verjährungsfrist von 5 Jahren.


2004 – 2006
In den Jahren 2004 bis 2006 war die Hypo Real Estate durchaus erfolgreich unterwegs und konnte in 2005 erstmals Dividende ausschütten. Die weltweite Risiko-Diversifikation schien zu wirken.

Foto: Railway Areal bei Houston, Texas, finanziert durch die Hypo Public Finance USA Inc.


23. Juli 2007
Die Vorstände der Hypo Real Estate und der DEPFA BANK plc vereinbaren die Zusammenlegung ihrer Geschäfte und die Schaffung eines weltweit führenden Anbieters für Finanzierungslösungen für kommerzielle Immobilien, den öffentlichen Sektor und Infrastruktur-Projekte. Dabei wird die HRE die DEPFA BANK plc übernehmen.

Analysten sind entsetzt und sehen nur bei Refinanzierungen begrenztes Synergiepotenzial. Sal. Oppenheim stuft die HRE-Aktie von “stark kaufen” auf “reduzieren” zurück.

27. Februar 2008
Experten der Bankenaufsicht prüfen für 14 Tage die DEPFA BANK plc und stellen in ihrem Prüfbericht fest, dass die kurzfristige unbesicherte Refinanzierung auf die Liquidität der Depfa signifikante negative Auswirkungen haben kann. Das zuständige Fachreferat im Bundesfinanzministerium heftet den Prüfbericht ab. Der Bundesfinanzminister erhält vom brisanten Inhalt keine Kenntnis.

18. August 2008
Die BaFin legt dem Finanzministerium einen abschliessenden Prüfbericht vor, in welchem sie nochmals auf katastrophale Situation bei Depfa hinweist.

29. September 2008
Genau 5 Jahre nach Eintrag der HRE Holding ins Münchner Handelsregister, einen Tag nach Ablauf der oben erwähnten Verjährungsfrist und einen Tag nach der Landtagswahl in Bayern, tritt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vor die Presse und verkündet den Beginn einer beispiellosen Rettungsaktion für die Hypo Real Estate. Das Rettungspaket umfasst Bürgschaften des Bundes über 27 Milliarden Euro und Bürgschaften eines Bankenkonsortiums über 8 Milliarden Euro. Eine Absicherung oder Auflagen an die HRE gibt es nicht.

04. Oktober 2008
Die Banken ziehen ihre Bürgschaftszusage überraschend zurück. Die irische Regierung schaltet sich ein und prüft ihrerseits Massnahmen.

06. Oktober 2008
Banken, Bund und Versicherungen einigen sich und erhöhen den Bürgschaftsrahmen um 15 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro.

07. Oktober 2008
Vorstandsvorsitzender Georg Funke tritt zurück.

28. Oktober 2008
Die HRE stellt beim Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) Antrag auf Liquidität über 15 Milliarden Euro. Gleichzeitig beantragt die Bank weitere Unterstützung.

31. Oktober 2008
Der HRE-Antrag wird angenommen und es werden Hilfen über 20 Milliarden Euro zugesagt.

21. November 2008
Der SoFFin erhöht seine Zusage um 10 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro.

20. Januar 2009
Wiederum erhöht der Fonds seine Hilfen für die HRE um diesmal 12 Milliarden Euro auf nunmehr 42 Milliarden Euro.

11. Februar 2008
Die HRE erhält aus dem Bankenrettungsfonds SoFFin einen weiteren Bürgschaftsrahmen über 10 Milliarden Euro.

Damit gewähren nun Versicherungen und Banken der HRE Finanzhilfen in Höhe von 23 Milliarden Euro und der Bund in Höhe von 79 Milliarden Euro, also insgesamt 102 Milliarden Euro.

18. Februar 2009
Die HRE benötigt weitere 20 Milliarden Euro. Das Kabinett billigt das Gesetz zur Banken-Enteignung.

Fassen wir zusammen
Obwohl die Hypo Real Estate am Anfang als Bad Bank diente, erhielt sie ihre Banklizenz.
In den Jahren 2004 bis 2006 war die HRE wahrscheinlich auf solidem Weg. Hilfreich dabei war sicher auch die Ausplatzierung von faulen Immobilienkrediten zu Lasten von ahnungslosen Investoren.
Weniger hilfreich erscheint mir die Spezialisierung, so dass Quersubventionen innerhalb einzelner Geschäftsbereiche nicht mehr möglich sind.
Eine Prüfung der Depfa in 2007 durch Verantwortliche der HRE hätte diese Übernahme stoppen müssen.
Bei Beachtung der Warnsignale der Bankenaufsicht durch das Bundesfinanzministerium Anfang und Mitte 2008 wäre eine zeitnahe und wahrscheinlich kostengünstigere Rettung noch möglich gewesen.
Auch als am 04. Oktober 2008 die Banken überraschend ihre Bürgschaftszusagen zurückzogen, hätten beim Bundesfinanzministerium alle Alarmglocken schrillen müssen.
Das Hauptproblem der HRE ist nach heutigem Kenntnisstand die DEPFA BANK plc. Dennoch sieht es im Moment so aus, als ob Deutschland die Last allein schultern müsse.
Eine enge Zusammenarbeit mit irischen Behörden erscheint mir daher zu jedem Zeitpunkt geboten, auch künftig.
Die Kommunikation zwischen Behörden untereinander und mit Unternehmen bedarf dringend einer Verbesserung.

Es gab also in den letzten Jahren genug Hinweise und Gelegenheiten die HRE als eine solide Bank aufzustellen. Leider hat man das versäumt. Aber wie das halt so ist. Das Geschäft rollt, man will die Welt beherrschen, einer verlässt sich auf den anderen und am Ende wundern sich alle, warum es zu dieser Katastrophe kommen konnte.

Die Angaben sind sicher nicht vollständig. So wollte ich zum Beipiel nicht die gesamten Ausplatzierungen auflisten, sondern das Thema nur anreissen. Die Erfolge der HRE können leicht auf deren Website nachvollzogen werden. Wichtig waren mir die Entwicklungen des Konzernverbundes und der Ereignisse um die Rettungsversuche.

Quellen
report MÜNCHEN
Hypovereinsbank AG
Hypo Real Estate AG
DEPFA BANK plc
Wiki

Fotos: © Hypo Real Estate AG


Dieser Artikel ist Teil 16 von 37 der Serie Hypo Real Estate - HRE - pbb Deutsche Pfandbriefbank



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