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HRE: 3,5 Millionen Euro für Georg Funke – Wieso das denn?

Georg Funke als ehemaliger Vorstandsvorsitzende der Hypo Real Estate (HRE) verlangt sein Recht – 3,5 Millionen Euro, meldet das Handelsblatt. Für so viel Geld muss ein normaler Arbeiter verdammt lange für malochen. Wieso darf Herr Funke so viel Geld haben?

Montag morgen – 8.30 Uhr. Noch etwas schläfrig blinzel ich in meinen PC. Auf meinem Schreibtisch liegen ein paar Fotos und eine Rechnung. 2,7 Millionen Euro sollen bis 11.00 Uhr telegrafisch an eine Baufirma überwiesen sein. 2,7 Millionen, das wäre für die Oma da unten am Schalter ‘ne Menge Holz. Für mich sind es Peanuts. Bankalltag, ich habe mich an solche Beträge längst gewöhnt. Azubis beginnen mit 50 Euro, wenn sie das erste Mal für einen Kunden am Schalter eine Überweisung ausfüllen. Klettern sie auf der Karriereleiter nach oben, steigen auch die Beträge und die Verantwortung. Bei mir sind es nun 2,7 Millionen Euro. Geld welches mir nicht gehört, ja nicht einmal der Bank gehört. Es ist eine Auszahlung eines Bauträgerkredites. Abzeichnen oder erst Mama anrufen? So viel Geld! Der Betreuer hat auf der Rechnung schon sein “ok” gegeben. Jetzt liegt’s an mir, in meiner Macht, in meiner Verantwortung. Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, auch meiner. Wenn ich die Zahlung blockiere, bekommt der Arbeiter auf der Baustelle kein Geld, Lieferanten droht vielleicht die Insolvenz. Zahle ich, dann ist das Geld draussen. Sollte etwas am Bau schief gehen, ist es unser Risiko, mit dem morgen die Boulevard-Presse die öffentliche Stimmung anheizt, gegen die Banken und mich. Ich bin pragmatisch. Emotionen sind hier fehl am Platz. Ordner raus. Was sagt der Kreditvertrag? Nur der zählt. Eigentlich bräuchte ich nicht nachschauen. Ich habe den Kredit genehmigt. Als Risikomanager überwache ich ihn bis zur vollständigen Rückzahlung. Ich kenne jedes Detail, jeden meiner Kunden persönlich und ihre Wehwehchen. Trotzdem, Checkliste! Alles im grünen Bereich. Sicherheiten stehen, Auflagen sind erfüllt. Baufortschritt und Abverkauf passen. Ich war selbst draussen. Der Kunde hat mir alles gezeigt. Die Bauleistung ist erbracht, der Betrag fällig und die Baufirma hat ein Recht auf ihr Geld. Also Haken dran und weg damit. Ich habe noch weitere Kunden, die Geld brauchen. Sekunden später sind die 2,7 Millionen Euro bei der Empfängerbank. Jetzt gibt’s kein zurück und ich kann trotzdem ruhig schlafen.

Das ist Bankalltag. Der Arbeiter im Maschinenbau oder der Flugzeugbauer hat mit ähnlichen Werten zu tun. Nur, meist weiss er es nicht. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben und mit ihnen seine Verantwortung. Mit der Verantwortung steigt das Gehalt. Angebot und Nachfrage. Wer gute Leute haben will, muss zahlen. Wie viel bestimmt der Markt. Wie viel steht auch im Arbeitsvertrag, beim Azubi wie beim Bankvorstand. Mag sein, dass der Azubi sein Geld dringender braucht als der Chef. Aber der Arbeitsvertrag bestimmt die Regeln. Wann wird wie viel an wen gezahlt? Mit der Vergütung ist es wie mit der Verantwortung. Die Karriereleiter rauf und beides steigt. Der Markt regelt das. Für Vorstände gibt’s keine Gewerkschaft, keinen Tarifvertrag, keine Stechuhr und kein Wochenende. Oh ja, schicke Villa, toller Schlitten! Millionenschwere Geschäftspartner überzeugt man eben nicht in einer Wohnung im Plattenbau und im Anzug aus dem Discounter. Die Kosten laufen, wie beim Azubi auch, nur halt auf höherem Level.

Kein Arbeiter, kein Angestellter käme auf die Idee auf seinen Leistungsbonus oder seine Gehaltserhöhung freiwillig zu verzichten, nur weil vielleicht ein Verwandter oder ein Kollege weniger erhält oder der Chef gerade mal wenig Arbeit hat. Warum dann Bankvorstände? Nur weil es der Boulevard-Presse gerade in den Kram passt? Nö, ‘nen Teufel würd ich tun. Und guckt in den Spiegel! Ich möchte den Samariter sehen, der freiwillig auf 3,5 Mille verzichtet.


Dieser Artikel ist Teil 19 von 37 der Serie Hypo Real Estate - HRE - pbb Deutsche Pfandbriefbank



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