≡ Menu


Kürzung der Einlagensicherung: Warum die Banken weniger haften wollen

Die Einlagensicherung schrumpft und Omas Sparbuch wird zur riskanten Spekulation, weil die Politik von den Banken mehr Eigenkapital fordert.

Deutschlands private Banken senken die Sicherheit für ihre Kundengelder von 30 auf 8,75 Prozent des haftenden Eigenkapitals. Der Deutsche Bankenverband feiert diese “Reform” als bessere Aufstellung des Einlagensicherungsfonds für künftige Herausforderungen.

In Wahrheit wollen die Banken nur ihr Sicherungspolster nicht erhöhen und den künftigen Eigenkapitalanforderungen anpassen.

Bislang haftet der Einlagensicherungsfonds für Kundengelder – zum Beispiel auf Giro-, Festgeld- und Tagesgeldkonten – in Höhe von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank und pro Kunde.

Jetzt fordern Politik und Bankenaufsicht mit Basel III die weitaus höhere Kernkapitalquote von neun Prozent . Diese Finanzkennzahl ist das Verhältnis von sofort verfügbarem Eigenkapital und den risikogewichteten Aktiva (Vermögen aus Krediten und Wertpapieren) einer Bank.

Mit dem künftigen Anstieg des Eigenkapitals der Banken würde der Einlagensicherungsfonds aber automatisch mehr Kundengelder absichern. Damit er das kann, müssten die Banken ihren Topf entsprechend den neuen Baseler Eigenkapitalvorschriften vergrößern. Das kostet Geld, was keine Bank freiwillig hat.

Beispiel

Eine Bank hat 100 Euro haftendes Eigenkapital. Kundengelder in Höhe von 30 Euro wären also derzeit durch die Einlagensicherung geschützt. Würden künftig die Vorschriften 200 Euro haftendes Eigenkapital von den Banken verlangen, dann müsste der Topf, so wie er jetzt aufgestellt ist, 60 Euro an Kundeneinlagen schützen, was er offensichtlich nicht kann.

Die Banken könnten nun entweder das Volumen ihrer Sicherheit erhöhen, so wie sie es von einem Kreditkunden auch verlangen würden. Das kostet aber Geld, was keine Bank freiwillig hat. Oder aber sie senken die Sicherungsgrenze.

Ob die künftige Einlagensicherung von 8,75 Prozent zusammen mit der neuen Kernkapitalquote dem heutigen Schutz der Kundengelder gleich kommt, bleibt fraglich, denn niemand kennt das wahre Volumen des Sicherungstopfes.

Eines scheint aber jetzt schon klar zu sein: Wer sein Sicherungspolster auf ein Drittel reduziert, müsste sein haftendes Eigenkapital verdreifachen, um den heutigen Sparer-Schutz zu erhalten. Das wird keine Bank in Deutschland machen.



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner