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Neumann: “Die Allianz hätte mich rausgeschmissen.”

376715_R_K_by_pauline_pixelio.deklMan kann auf Investmentbanker schimpfen und sie verteufeln, eines muss man ihnen jedoch lassen: Sie haben ihren Job gemacht und für ihre Kunden und ihren Arbeitgeber in guten Zeiten viel Geld verdient, was auch in Deutschland offenbar niemanden störte.

Zeit Online beleuchtet in ihrem Artikel “Der Mann, der zu viel wollte” Hintergründe um Jens-Peter Neumann – Investmentbanker und Ex-Angestellter der Dresdner Kleinwort. Es geht dabei um 1,5 Millionen Euro, was nicht überrascht. Was aber verblüfft, der Artikel ist kein allgemeines Bashing der Branche, kein Nachtreten, wie es der Leser vielleicht erwarten würde.

Neumann kämpft um seine Abfindung. Oder allgemein formuliert: Neumann kämpft um die schlichte Einhaltung seines Arbeitsvertrages. Das macht den Fall so brisant, nicht die 1,5 Millionen Euro. Denn wenn heute ein Gericht aufgrund der aktuell durch Medien und Politik angeheizten Stimmung entscheidet, dass Arbeitsverträge, Bonus- und Abfindungsvereinbarungen für einzelne nur solange gelten, wie es der öffentlichen Meinung gerade in den Kram passt, dann wird als nächstes dem Arbeiter am Fliessband, der Verkäuferin hinter der Ladentheke und dem Kellner im Restaurant die Pleite des Arbeitgebers angelastet und Abfindung, Bonus oder Weihnachtsgeld gestrichen.

Und seien wir mal ehrlich: Ohne die Krise, ohne drohende Massenarbeitslosigkeit und ohne eine exorbitant hohe Staatsverschuldung würde es selbst in Deutschland niemanden interessieren, ob ein Angestellter einer Pleite-Bank seine Millionen-Abfindung einstreicht. Die Ironie dabei ist, dass genau diejenigen, die Investmentbankern ihre Boni und Abfindungen versagen wollen, im selben Augenblick insolvente Unternehmen künstlich mit Steuergeldern am Leben halten und trotzdem Tariferhöhungen, Boni und möglichst hohe Abfindungen durchsetzen. Wo ist da der Unterschied?

Nein, die Schuld an der ganzen Misere allein den Investmentbankern in die Schuhe zu schieben, soll nur die wahren Versager decken und die Blicke von dem immer noch intakten Netzwerk abwenden:

Am Anfang standen die Politiker, welche in ihrem Deregulierungswahn die Grundlagen schufen. Dann kamen Firmen und Verbraucher, die mit ihrer Gier nach immer höheren Gewinnen und immer höherem Lebensstandard den Markt künstlich aufblähten. Dies musste den Kreditinstituten Bomben-Bonitäten vorgaukeln, welche munter Risiken in ihre Bücher nahmen, teils ohne sie zu bemerken. Nachdem auch der grösste Markt nicht unendlich ein kreditfinanziertes Wachstum aufnehmen konnte, bündelten und verkauften die Banken diese Risiken, um das System mit immer neuen Krediten am Laufen zu halten. Und ganz am Ende der Kette stehen die Investmentbanker, welche diese Risiken in den Weltmärkten platzierten. Irgendwie trägt dabei jeder eine Mitschuld.

Jens-Peter Neumann hat – wie viele andere auch – genau das getan, was sein Chef, seine Kunden und die Aktionäre erwarteten. Hätte er sich geweigert, wäre er gefeuert worden und ein anderer hätte seine Stelle eingenommen.

Die Gesellschaft sollte Boni und Abfindungen an Investmentbanker oder Manager auch von staatlich gestützten Banken als Lehrgeld betrachten und endlich Regelungen schaffen und durchsetzen, dass solche Fehlentwicklungen nie wieder passieren. Bis heute hat sie das nicht getan. Jeder, der einen Kredit aufnimmt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er im Falle seiner Zahlungsunfähigkeit nicht nur sich und der Bank, sondern der gesamten Gesellschaft schadet, denn die muss den Verlust tragen. Die Finanzkrise ist nicht entstanden, weil Investmentbanker gezockt haben, sondern sie entstand in erster Linie dadurch, dass sich Millionen über ihre finanziellen Verhältnisse verschuldeten. Risiken müssen erst einmal entstehen, um gehandelt zu werden und Schaden anzurichten. Sind sie erst wirksam, spielt es keine Mandoline mehr, ob Kreditinstitute oder Investoren sie letztlich in ihren Büchern halten.

Foto: © T. Freyer / PIXELIO



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