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S&P vs Frankreich: Rating-Panne, E-Mail-Panne oder doch Manipulation?

Falsche Frankreich-Abstufung: Wurde Standard & Poor’s von einflussreichen Investoren gestoppt?

Laut Medienberichten soll die US-Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) heute in einer Rund-Mail an ihre Kunden die Neubewertung der Kreditwürdigkeit Frankreichs angekündigt haben. Da das Euro-Land derzeit noch die Bonitäts-Bestnote “AAA” hat, mussten Investoren von einer Abstufung ausgehen. Zwei Stunden später nahm S&P die E-Mail zurück und bedauerte das “Missgeschick”.

Der Vorfall sorgte europaweit für Empörung in der Politik und für wilde Spekulationen in den Medien. Rufe nach Rating-Verboten wurden wieder laut. Die Springer-Presse witterte Brandstiftung. Ihr Haus-Terrier BILD titelte “Riesen Rating-Schlamperei!”. Der Börsen-Sender “n-tv” verglich die S&P-Panne sogar mit der vesehentlichen Mauer-Öffnung durch SED-Funktionär Günter Schabowski im November 1989.

Rating-Panne?

Frankreich ist mit 82,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts hoch verschuldet und natürlich im Visier der Analysten. Die Wirtschaft schwächelt und die Handelsbilanz weist seit Jahren ein Defizit aus. In 2010 betrug das Minus rund 90 Milliarden Euro. Zudem gibt es auch bei der Bewertung von Kreditwürdigkeiten keine absolute Wahrheit. Vor allem Kritiker, die selber den Gegenbeweis schuldig bleiben, müssen den Finanz-Experten schon verschiedene Meinungen zugestehen. Denn sonst wäre ein Handel an den Börsen unmöglich. Von einer Rating-Panne zu sprechen, erscheint doch etwas weit hergeholt.

E-Mail-Panne?

Oder verschickte die renommierte US-Rating-Agentur tatsächlich versehentlich E-Mails mit der Ankündigung einer Rating-Korrektur, obwohl sie gar keine Absicht hatte, Frankreich neu zu bewerten? Das macht keinen Sinn. Selbst wenn man einen Computer-Fehler oder menschliches Versagen unterstellt, ohne die tatsächliche Erwägung einer Abstufung entstehen solche E-Mails nicht. Es sei denn, jemand erlaubte sich einen wirklich bösen Lausbuben-Streich.

Markt-Manipulation?

Wer könnte S&P veranlaßt haben, die E-Mail wieder zurückzunehmen? Die Rating-Agentur gehört zum US-Medienkonzern McGraw-Hill. Die Aktiengesellschaft beschäftigt knapp 21.000 Mitarbeiter. Ihr Umsatz liegt bei sechs Milliarden US-Dollar. Zum Konzern gehören neben S&P auch diverse Sender des Fernseh- und Hörfunk-Netzes “ABC”. Großaktionäre sind unter anderem die Barclays Bank Plc (6,4%), Goldman Sachs Group Inc. (5,73%) und der Finanzvermittler Sarofim (4,07%). Ob diese Anteilseigner aus der Finanzbranche im Gegensatz zur US-Regierung ein Interesse an einer Rating-Abstufung Frankreichs in Verbindung mit dem Wertverlust französischer Anleihen haben, darf bezweifelt werden. Wie vor kurzem bekannt wurde hat die Barclays Bank Staatsanleihen von Spanien, Italien, Portugal, Irland und Griechenland innerhalb von nur drei Monaten um 31 Prozent reduziert. Ob und wie viele französische Staatspapiere in den Büchern von Barclays und Goldman Sachs schlummern, ist nicht bekannt. Ein Motiv für eine Art Stallorder wäre hier aber auch nicht auszuschließen.



{ 2 comments… add one }

  • Frankreich und Deutschland November 12, 2011, 02:11

    Um mal Shakespeare abzuwandeln: Zwar ist’s Versehen, doch es hat Methode…

  • Blog - start-trading.de November 13, 2011, 17:37

    Es gibt bestimmt Dinge, da dürfen Fehler nicht passieren. Und wenn das Kerngeschäft diese Ratingagentur die Bewertung von Staaten ist, dann muss sie auch dafür sorgen, dass es nicht zu “Pannen” kommt.

    Es ist scher vorstellbar, dass einfach so mal eine fehlerhafte Abstufung herausgeht. Im Umkehrschluss liegt eine absichtliche Streuung solcher Meldungen nahe, denn in der Schuldenkrise will jede Nation die Probleme beim anderen sehen. Also ziegt man hier auf Frankreich.

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