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Firmengründung: Englische Limited vs GmbH

Warum halten renommierte Wirtschaftsprüfer die englische Rechtsform der Limited (Ltd) für riskant?

Mancher Rat ist juristisch und wirtschaftlich gefährlich. Ich zeig’s Ihnen:

Gründung einer GmbH

  • Mindesteinlage: 25.000 Euro
  • Gründungsdauer: ein bis zwei Wochen
  • Haftung: keine Haftung der Gesellschafter gegenüber Dritten; Geschäftsführer haftet bei Verletzung der Konkursantragspflicht
  • Umgehung der Haftungsbeschränkung: Banken verlangen bei Kreditvergabe Bürgschaften der Gesellschafter.
  • Notarielle Beurkundung: Der Gesellschaftsvertrags muss notariell beurkundet werden.
  • Registrierung: Eintragung ins Handelsregister
  • Steuer: unterliegt dem deutschen Steuerrrecht
  • Ausschüttung der Gesellschafter: kann aus Gewinnen und aus Kapitalherabsetzung erfolgen.
  • Recht: Es gilt deutsche Recht.

Gründung einer Ltd

  • Mindesteinlage: 1,50 Euro
  • Gründungsdauer: minimal 24 Stunden
  • Haftung: Durch die Haftungsbeschränkung der Gesellschaft haften Gesellschafter und handelnder Direktor gegenüber Dritten. Das englisches Recht beinhaltet verschärfte Regelungen zu Gunsten Gläubiger und Geschäftspartner.
  • Umgehung der Haftungsbeschränkung: Banken verlangen bei Kreditvergabe Bürgschaften der Gesellschafter
  • Keine notarielle Beurkundung: Der Gesellschaftsvertrag muss nicht notariell beurkundet werden.
  • Registrierung: Registrierung in Grossbritannien und sehr aufwendige Eintragung einer deutschen Niederlassung ins deutsche Handelsregister.
  • Steuer: Die deutsche Niederlassung unterliegt dem deutschen Steuerrecht; Steuererklärung für deutsches und englisches Finanzamt notwendig
  • Ausschüttung der Gesellschafter: erfolgt nur aus Gewinnen. Eine Kapitalherabsetzung ist aber durch englischen Gerichtsbeschluss möglich.
  • Recht: Es gilt englisches Recht, was eine Beratung teuer macht.

Die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young AG resümiert dazu in ihrer Studie “Die “Limited” – Rechtsform der Zukunft” (pdf-Datei, 13 Seiten) und ich zitiere:

“Die Ltd. hat insbesondere bei der Gründung den Vorteil, dass praktisch kein Mindestkapital vorgegeben ist, wohingegen eine GmbH mindestens mit einem Stammkapital von 25.000 € ausgestattet werden muss. Auch ist die Gründung einer Ltd. relativ kostengünstig.

Wird jedoch die laufenden Geschäftstätigkeit in Deutschland in Form einer Ltd. ausgeübt, zeigen sich einige Nachteile, die insb. darauf beruhen, dass die Vorgaben des englischen Rechts neben nationalen Vorschriften zu berücksichtigen sind. Auch Unternehmen, die mit der englischen Sprache gut vertraut sind, werden oftmals nicht umhinkommen, einen englischen Rechtsberater einzuschalten, da spezielle Rechtskenntnisse erforderlich sind. Kostenersparnisse bei der Gründung gehen hierdurch schnell verloren.

Letztlich bleibt zu beachten, dass die Ausstattung einer Kapitalgesellschaft mit Eigenkapital nicht allein durch die gesellschaftsrechtlichen Anforderungen an ein Mindestkapital bestimmt wird, sondern vielmehr faktische Zwänge dies bestimmen. Zur Verwirklichung einer Geschäftsidee ist ein gewisser Grundstock an Eigenkapital erforderlich. Auch Kreditgeber werden entweder auf ein entsprechend hohes Eigenkapital achten oder den Rückgriff auf den hinter der Kapitalgesellschaft stehenden Anteilseigner fordern. Unter Berücksichtigung dieser Überlegungen verliert die Minimierung der Haftung durch ein möglichst geringes Stammkapital der Gesellschaft schnell an Bedeutung und schwindet damit ein wesentlicher Vorteil der Ltd.”

Damit ist alles gesagt. Als Kredit-Banker sehe ich die Problematik genauso wie EY. Weitere Infos und Betrachtungen gibt’s bei Kai Schadbach und der IHK Frankfurt am Main.

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