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Betriebsbedingte Kündigung: Kämpft IG Metall jetzt für Schaeffler?

Die IG Metall hat bei Schaeffler durchgesetzt, dass es bis 30. Juni 2010 keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll. Wirtschaftsthemen erklärt den Bärendienst der Gewerkschaft für die Arbeitnehmer:

Betriebsbedingte Kündigungen wirken sich negativ auf den Ruf eines Unternehmens aus. Sie machen Gläubiger und Geschäftspartner misstrauisch. Auch dürfen Arbeitgeber laut Kündigungsschutzgesetz nur unter bestimmten Voraussetzungen betriebsbedingt kündigen. Dem Unternehmen muss es wirtschaftlich schlecht gehen, soziale Verhältnisse müssen berücksichtigt werden, bestimmte Personen geniessen Kündigungsschutz und Leistungsträger behält der Arbeitgeber am liebsten.

Kein Unternehmen wird daher betriebsbedingt kündigen, solange es andere Wege gibt, die Personalkosten zu senken:

  • Kurzarbeit
  • Altersteilzeit
  • Aufhebungsvertrag
  • Gehaltsverzicht
  • Arbeitszeitverkürzung

Jedoch hebeln diese Punkte den gesetzlichen Kündigungsschutz komplett aus, denn jetzt geht es nicht mehr nach künftigem Bedarf des Unternehmens oder nach sozialer Gerechtigkeit, sondern ausschliesslich um nackte Zahlen. Müssen Kosten gesenkt werden und hat das Management einmal die Entscheidung getroffen, Stellen zu streichen, dann ist es für die Arbeitnehmer wichtig Rechtssicherheit zu haben und nicht nur eine Abfindung zu kassieren, sondern sie auch zu behalten. So wird die Agentur für Arbeit bei Aufhebungsverträgen hellhörig und streicht gerne zumindest teilweise das Arbeitslosengeld zu Lasten von Abfindungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob im Vertrag alternativ eine betriebsbedingte Kündigung angedroht wird. Auch wären gerne Arbeitnehmer mit langer Betriebszugehörigkeit und Familie weiterbeschäftigt. Die IG Metall hat dem jedoch bei Schaeffler einen Riegel vorgeschoben. Die nötigen 4.500 Stellen werden abgebaut. Dank Deutschlands grösster Gewerkschaft braucht Schaeffler jetzt weder auf soziale Verhältnisse der Arbeitnehmer noch auf sonstigen Kündigungsschutz zu achten. Selbst Schwangere und Behinderte können gefeuert werden. Allein die Höhe der Abfindung bestimmt über Weiterbeschäftigung oder dem Gang zum Arbeitsamt.

Des Weiteren wird der Arbeitnehmer bei seinem nächsten Bewerbungsgespräch ganz sicher nach dem Grund seines Arbeitsplatzverlustes gefragt. Eine betriebsbedingte Kündigung ist dabei selbsterklärend. Die Schuld liegt allein beim ehemaligen Arbeitgeber. Einem Aufhebungsvertrag jedoch liegt beiderseitiges Einvernehmen zu Grunde. Der Bewerber kann auf die wirtschaftliche Lage seines Ex-Arbeitgeber hinweisen. Ob der neue Arbeitgeber ihm glaubt?

Die IG Metall will möglichst viele Arbeitnehmer möglichst lange beschäftigt wissen und riskiert dabei die Arbeitsplätze der noch gesunden Unternehmensbereiche. Handelte die Gewerkschaft wirklich im Interesse der Arbeitnehmer, müsste sie bei unvermeidlichem Stellenabbau auf betriebsbedingte Kündigungen bestehen, Abfindungen aushandeln und die Einhaltung des gesetzlichen Kündigungsschutzes sowie der sozialen Gerechtigkeit überwachen. Das wäre ihre Aufgabe.

Foto: © Gerd Altmann / PIXELIO



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