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Insolvenz nach dem Frühstück

Haus weg, Auto weg – wegen ein paar Brötchen

Wenn ein Unternehmer (Bäcker, Mezger, Gastwirt) einen Teil seiner produzierten und zum Verkauf bestimmte Ware selbst verwendet, dann heisst es oft “kostet mich billig, krieg ich zum Einkaufspreis”. Aber geht die Rechnung auf?

Eigenverbrauch zum Einkaufspreis
Ein Bäckermeister und seine Familie gönnen sich jeden Morgen sechs Brötchen aus hauseigener Produktion. Um die Kalkulation zu verschärfen, stellen wir unserem Bäcker zwei Verkäuferinnen ein. Die Personalkosten verteilt der Meister zu gleichen Teilen, also jeder in der Bäckerei bekommt ein Drittel.

Kosten umgelegt pro Brötchen:

  • Wareneinkauf: 0,10 Euro
  • Herstellung (Energie, Wartung der Produktionsmittel) 0,10 Euro
  • Personal: 0,10 Euro

In Summe beträgt der Einstand für ein Brötchen 0,30 Euro. Im Verkauf würde ein Brötchen 0,39 Euro erzielen. Unser Bäckermeister spart sich durch Eigenverbrauch die Gewinnmarge und da er sowieso Brötchen bäckt, spart er sich auch seine eigenen Personal- und extra die Herstellungskosten. Damit wendet er für seine sechs Frühstücksbrötchen nur insgesamt 0,60 Euro (Einkaufspreis) statt den 2,34 Euro auf, die er für Brötchen bei einem Wettbewerber zu zahlen hätte. Der Bäckermeister spart sich also jeden Tag 1,74 Euro?

Gegenrechnung
Unser Bäcker produziert täglich 100 Brötchen. Die Kosten betragen für

  • Wareneinkauf 10,00 Euro
  • Herstellung (Energie, Wartung der Produktionsmittel): 10,00 Euro
  • Personal: 10,00 Euro

Der Gewinn wäre 9,00 Euro. Verkauft er alle Brötchen, nimmt er also (inklusive Gewinn) 39 Euro ein. Unser Bäckermeister entnimmt der Kasse jeden Tag seine ihm zustehenden 3,33 Euro plus seinen Gewinn in Höhe von 9,00 Euro und bezahlt seine Verkäuferinnen mit 6,66 Euro. Am Ende des Monats – wir rechnen mal mit 30 Tagen – müssten sich in der Kasse für

Wareneinkauf 300 Euro + Herstellung 300 Euro = 600 Euro

befinden. Tatsächlich sind es jedoch nur

600 Euro ./. 52,20 Euro = 547,80 Euro.

Am Monatsende wollen nun Waren- sowie Energielieferanten und der Wartungsservice der Produktionsmittel bezahlt werden. Der Bäckermeister muss sich mit 52,20 Euro verschulden. Da der Bäcker seine Buchhaltung etwas vernachlässigt, betragen nach einem Jahr die Schulden schon 626,40 Euro.

Jetzt wollen die Geschäftspartner ihr Geld. Da unser Bäckermeister sich von Einkommen und Gewinn ein Haus baute und eine neues Auto kaufte, ist er nicht zahlungsfähig. Die Gläubiger setzen bei Gericht einen Titel durch und vollstrecken. Der Bäcker verliert sein Haus und sein Auto und alles wegen ein paar Brötchen.



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