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Associated Press plant Online-Überwachung geklauter Inhalte

APnewsregistry_klDie weltweit grösste Nachrichtenagentur Associated Press (AP) plant, ihre Online-Nachrichten komplett auf das hNews-Format umzustellen und mit einem Geheimcode, einem sogenannten “tracking beacon”, zu versehen, um so die Nutzung in Echtzeit zu überwachen.

hNews ist ein durch AP speziell entwickeltes Daten-Format für Nachrichten, das erlaubt, Meldungen mit Schlagwörtern und Beschreibungen oder auch zusätzlichen Codes zu versehen. Ziel des “tracking beacons” ist die automatische Filterung von unlizensiertem Content. Bei jedem Aufruf (Klick) wird dabei ein Signal an die AP-Datenbank (AP news registry) gesendet und der Anbieter mit dort registrierten Kunden abgeglichen. Ist die Webseite nicht erfasst und veröffentlicht unerlaubt AP-Inhalte, könnte die Agentur den Betreiber identifizieren und gegen ihn nach dem Digital Millennium Copyright Act (DMCA) vorgehen. Betroffen wären alle Texte (auch Teaser, Zitate), Fotos und Videos, die entweder manuell oder automatisch per Quelltext auf Internetseiten eingebunden oder per News-Feeds zu lesen sind. Registriert werden unter anderem der Inhalt, IP-Adresse des Lesers, Adresse des Webservers und die Zeit der Nutzung. Dabei stellt sich die Frage, wessen Einnahmen AP schützen will, die der Journalisten als Urheber oder ihre eigenen, wie Daggle vermutet.

Der Start der Registratur ist für den 15. November 2009 geplant. Das Gesamtprojekt soll Anfang 2010 online gehen.

Keine Überwachung der Leser?
Wie AP gegenüber Zachary M. Seward (niemanlab.org) mitteilte, seien nicht die Leser der illegal übernommenen Inhalte das Ziel sondern die Anbieter. Jedoch, schreibt Seward weiter, könnte künftig alles möglich sein. Wir erinnern uns an die Verfolgung der Konsumenten von Raubkopien über ihre IP-Adressen durch die Musik- und Film-Industrie. Sollte die Entwicklung bei der Überwachung von journalistischen Inhalten in eine ähnliche Richtung gehen, will AP auf Transparenz setzen. Ob dadurch die Leser geschützt werden, die ja gar nicht wissen können, ob ein Text, Bild oder Video ohne Lizenz veröffentlicht wurde, bleibt offen.

Leuchtfeuer entfernen?
Seward geht davon aus, dass der AP-Code auf Javascript basiert. Durch “copy und paste” (Strg+C, Strg+V) könnte er bei Texten ausgehebelt werden. Bilder würden durch einen simple Kopie per Screenshot davon gereinigt. Jedoch verbietet das DMCA solche Handlungen ebenfalls. Des Weiteren plant AP für solche Fälle eine redundante passive Kontrolle durch Crawling von Webseiten, ähnlich dem einer Suchmaschine.

Auch deutsche Medien planen Überwachung
So will die Deutsche Presseagentur (dpa) mit Hilfe von Attributor, einem Unternehmen aus Kalifornien, nach “digitalen Raubdrucken” suchen, meldet taz. Sobald eine Webseite durch geklaute Inhalte, Werbeeinnahmen erzielt, soll nach dem Prinzip der Plattform FairShare der Werbedienstleister einen Teil der erzielten Erlöse an die Rechteinhaber abführen. Um das Abschalten von unerlaubter Verbreitung geht es dabei weniger. Vielmehr suchen Medien und Journalisten nach Möglichkeiten ihre Werke zu monetarisieren und dabei die Reichweite der illegalen Nachdrucker für sich zu nutzen, bislang zum beiderseitigen Vorteil. Denn eine Studie von Attributor vom November 2008 hatte ergeben, dass geklaute Texte ein um 140 Prozent grösseres Publikum erreichen als ihre Originale.

Künftig könnten Journalisten und Blogger der ungefragten Nutzung ihrer Inhalte entspannt entgegen sehen. Die Betreiber solcher Seiten würden aber weniger verdienen als die Rechteinhaber. Das halte ich für gerecht.

Grafik: AP Pressemitteilung


Dieser Artikel ist Teil 21 von 58 der Serie Medienkritik



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