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Bild erklärt Horst Köhler

Gehen Bild die Stories aus?

Für dümmer kann Bild ihre Leser nun wirklich nicht verkaufen. Bundespräsident Horst Köhler hat in seiner vierten “Berliner Rede” klare Worte zu Finanz- und Wirtschaftskrise gefunden. Bild druckte seine Ansprache komplett ab. Kann also jeder nachlesen. Um die nächste Internetseite zu füllen, wartet Georg Gafron mit seinem Bild-Kommentar auf, der Köhlers Aussagen auf zwei Worte, in formatfüllendem Text gekleidet, reduziert. Damit nicht genug. Auf einer weiteren Internetseite verkürzt Bild die Rede und schürt Panik durch Unterschlagung von Köhlers Aussagen:

Bild zitiert:

“Köhler sagt: „Jetzt sind die großen Räder gebrochen, und wir erleben eine Krise, deren Ausgang das 21. Jahrhundert prägen kann. (…) Die kommenden ­Monate werden sehr hart. Wir werden Ohnmacht empfinden und Hilflosigkeit und Zorn.“”

und erklärt ihren Lesern:

“Köhler meint: Er bereitet die Deutschen auf schwere Zeiten vor: auf hohe Arbeitslosenzahlen, Firmenpleiten und Wohlstandsverlust.

Er fordert mehr Lust auf Freiheit, auf Verantwortung, Mut: „Wir können immer einen neuen Anfang schaffen. Es liegt an uns.“ Die Passage erinnert an „Blut, Schweiß und Tränen“, an „Gürtel enger schnallen“ und Ludwig Erhards „Maßhalten“.”

Offenbar wollte Bild ihren Lesern die positven Passagen (Von mir ergänzt und hervorgehoben.) in dem Zusammenhang ersparen:

“Jetzt sind die großen Räder gebrochen, und wir erleben eine Krise, deren Ausgang das 21. Jahrhundert prägen kann. Ich meine: zum Guten, wenn wir aus dem Schaden klug werden. (…) Es ist ein gutes Zeichen, dass die meisten Unternehmen in Deutschland versuchen, Entlassungen zu vermeiden. Sie wissen, dass sie ihre hoch motivierten und gut qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dringend brauchen, wenn sie die Krise überwinden wollen.

Was Köhlers Aussagen eine völlig andere Bedeutung verleiht. Vielleicht ist es doch besser, lieber Köhler als Bild zu lesen, denn der Bundespräsident hatte in seiner Rede glatt erwähnt, was Bild hier zudem als “Köhler meint:” verkauft:

“Wir müssen aber auch ehrlich sein: Viele Unternehmen werden ihr Überleben und damit zugleich Arbeitsplätze nur sichern können, wenn sie sich auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen. Wir müssen uns darauf einstellen: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland wird sich wieder deutlich erhöhen.”

Horst Köhler hatte Politik und Banken kritisiert, aber auch Wege aus der Krise skizziert. Offenbar war seine Darstellung der Dinge der Bild-Redaktion zu langweilig.


Dieser Artikel ist Teil 9 von 58 der Serie Medienkritik



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