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Bild und ihr 23-Billiarden-Dollar-Problem

Wenn die Amerikaner von Billionen sprechen, meinen sie im europäischen Sinne Milliarden. Das kann schon verwirren. Wenn CNN jedoch den konkreten Betrag abdruckt, nämlich 23.148.855.308.184.500 Dollar, mit dem die VISA-Karte des 22-jährigen Josh Muszynski aus Manchester, New Hampshire für ein einzelnes Päckchen Zigaretten belastet wurde, dann braucht man eigentlich nur die Stellen der Zahl zu zählen und kommt auf stolze

– dreiundzwanzig Billiarden einhundertachtundvierzig Billionen achthundertfünfundfünfzig Milliarden dreihundertacht Millionen einhundertvierundachzigtausendfünfhundert –

Dollar. Obwohl Bild in ihrem Artikel später selbst von einer “Billiarden-Summe” schreibt,

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war für die Korrektur der Headline

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wohl keine Zeit, die Abweichung um das 1000-fache zu gering oder die Summe selbst Bild zu heftig.

Mit Finanzprodukten scheint das Blatt ebenfalls auf Kriegsfuss zu stehen. Trotzdem CNN in seiner Meldung von “Visa prepaid cardholders” und “Visa prepaid debit card” berichtet, macht Bild aus der Karte, die nur auf Guthabenbasis geführt wird, eine Kreditkarte.

Das ist wohl ein gesamtdeutsches Problem? Auch Focus, Der Standard, Sueddeutsche, taz.de, Spiegel Online und andere schreiben fleissig über Kreditkarten und wenn die Redaktion von bildblog.de nur mal nach VISA Inc. gegoogelt hätte, dann wäre ihr aufgefallen, dass es sich bei VISA eben nicht um eine Kreditkartenfirma, sondern um den Betreiber eines weltweiten elektronischen Zahlungsnetzwerkes handelt.

Inzwischen hat Bild auf Druck der Leserschaft die (meisten) Billionen in Billiarden korrigiert.


Dieser Artikel ist Teil 15 von 58 der Serie Medienkritik



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