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Bildzeitung und Überziehungskredit

Im Rahmen einer mir unverständlichen Werbe-Kampagne zur Kreditaufnahme für Finanzierung von Urlaub oder Sofa unter Nutzung des noch günstigen Mehrwertsteuersatzes hat Bild ein Kleines Kredit-ABC zusammengestellt. Und Bild wäre nicht Bild, wenn auch hier nicht ein bisschen Unsinn zu finden wäre. Was ist ein Überziehungskredit? In meiner langjährigen Laufbahn als Kredit Risk Manager ist mir nie dieses komische Wort begegnet. Bild vermischt hier den klassischen Dispositionskredit (auch Dispo, Kontokorrentkredit, KKr) und eine von der Bank geduldete befristete Überziehung eines Girokontos.

Der Dispo ist ein zwischen Bank und Kunde vereinbarter variabel ausnutzbarer Kreditrahmen in der Regel in einer Höhe von zwei bis drei Monatsgehältern. Der Rahmen kann aber muss nicht beansprucht werden. Eine Beanspruchung kann aber muss nicht innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens zurückgezahlt werden. Bei aller Flexibilität ist der Dispo jedoch teuer und sollte nur kurzfristig ausgenutzt werden.

Die geduldete Überziehung ist eine Beanspruchung eines Girokontos über den vereinbarten Rahmen hinaus. Das kann der Rahmen eines Dispo-Kredites sein oder auch nur der Rutsch ins Minus. Diese Überziehung ist nicht mit der Bank vereinbart. Sind ausreichend Umsätze auf dem Konto vorhanden lässt die Bank den Kontoinhaber einen begrenzten Zeitraum gewähren. Danach wird sich die Bank mit ihrem Kunden in Verbindung setzen und entweder die Rückzahlung fordern oder bei guter Bonität einen Dispo einräumen. Kann der Kunde die Überziehung nicht bereinigen, wird die Bank diese wie einen gekündigten Kredit behandeln, was auch gerichtliche Massnahmen und Vollstreckung beinhaltet. Die geduldete Überziehung ist teurer als jeder Kredit, da die Bank hier hohe Risikoaufschläge erhebt.

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Dieser Artikel ist Teil 1 von 58 der Serie Medienkritik



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