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Der geliebte Libyen-Krieg im LIVE-Ticker deutscher Medien

Maschinengewehre, coole Hüftschützen, Panzer – um Tripolis tobt die Schlacht. Wir Leser sitzen in der ersten Reihe. Mit Welt, BILD, Spiegel oder Stern erleben wir den Untergang Gaddafis als Echtzeit-Doku. Danke für die tollen Fotos und packenden Berichte. Dank auch an alle Hobby-Kriegsberichterstatter. Nur Ihr zeigt das gesamte Bild!

Es heißt ja immer: “Don’t blame the messenger!”, was so viel bedeutet, wie: Wir Medien waschen unsere Hände in Unschuld!

Es ist aber ein Unterschied, ob die Journaille nur berichtet oder gewinnorientiert ihre Leser das Grauen durch Wort und Bild hautnah erleben lässt.

Auch macht es einen Unterschied, ob Tageszeitungen und Nachrichten-Agenturen über einen Krieg berichten oder ökologisch korrekte Fachblätter, wie das Greenpeace Magazin, plötzlich zum Nachrichten-Journal mutieren. Alle wollen mitverdienen an dieser actiongeladenen Story.

So erschienen auf Google News heute pünktlich zum finalen Showdown zwischen Rebellen und Gaddafis Anhängern mehr als 4000 meist ähnliche Artikel und Bildberichte. Das ist selten. Eine gute Story schafft sonst noch nicht einmal 1000 (Nach-)Erzählungen.

Heute aber gibt es Libyen-Krieg auf allen Zeitungsseiten und Medienportalen – zum Anfassen, Staunen und Mitverdienen.

Wie sagte der einstige US-Medien-Tycoon und Pulitzer-Preis-Träger William Randolph Hearst zu seinem Kuba-Korrespondenten Remington im Vorfeld des spanisch-amerikanischen Krieges, nachdem der unspektakulären Frieden aus Havanna meldete?

“You furnish the pictures. I’ll furnish the war.” (Du lieferst die Bilder. Ich werde den Krieg liefern.)

Das soll nicht heißen, unsere Medien hätten in Hearst-Manier den Libyen-Krieg angezettelt, um das Sommerloch zu füllen. Aber dankbar seid Ihr schon dafür. Stimmt’s?

So titelt die BILD ganz typisch

“Wann jagen sie Gaddafi aus seinem Versteck? – Die aktuelle Lage im LIVE-Ticker”.

Der Kölner Stadtanzeiger präsentiert gar einen Freiheitskämpfer, der in Rambo-Pose gerade sein Maschinengewehr lässig aus der Hüfte abfeuert.

Man glaubt zudem gar nicht, wie viele deutsche Nachrichten-Portale es in Kriegszeiten gibt, die der kampferprobte Leser sonst nie auf Google News zu Gesicht bekommt. Von der erst ein Jahr alten Familien-Homepage “me-magazine” bis zum Lifestyle-Blatt “Rockefeller News” schreiben alle über die große Schlacht um Tripolis.

Mehr als 4000 Kriegsberichte. Habt Ihr die auch alle gelesen?

Foto: U.S. Navy / Lt.j.g. Monika Hess / Public Domain


Dieser Artikel ist Teil 43 von 58 der Serie Medienkritik



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