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HRE-Schwindel: BILD gibt den Münchhausen

In der dramatischen Erzählung “Wer gewinnt durch die Enteignungsschlacht?” versucht das regierungstreue Revolverblatt BILD uns Wählern in Sachen Hypo Real Estate (HRE) und ihrer Aktie den Ritt auf einer Kanonenkugel zu verkaufen. Wirtschaftsthemen deckt die Lügen auf:

Lüge 1 – Pfandbriefe

BILD erklärt:

“Diese Pfandbriefe werden allerdings schon längst nicht mit „realen“ Grundstücken besichert, sondern mit künftigen Steuereinnahmen des Staates.”

Gemäss unserem Pfandbriefgesetz müssen Pfandbriefe durch Kredite gedeckt sein, die wiederum mit werthaltigen Immobilien besichert sind. Das heisst, Immobilien-Eigentümer haften zum Beispiel mit ihrem Haus oder ihrer Eigentumswohnung gegenüber den Pfandbriefgläubigern, wie Rentenfonds oder Versicherungen. Die Hypothekenbanken, wie die HRE, leiten bei der Kreditvergabe lediglich das Geld vom Pfandbriefgläubiger zum Kreditnehmer und überwachen den Rückfluss in Form von Zinsen und Tilgung. Bei der Insolvenz einer Hypothekenbank fallen diese Kredite nicht an die Konkursmasse, sondern werden in einem Pool zusammengefasst und gesondert weitergeführt. Der Steuerzahler haftet daher nicht für die Pfandbriefe, sondern ausschliesslich für die HRE selbst. Wenn die Bank Fehler bei der Refinanzierung machte und die Laufzeitkongruenz verletzte, bedeutet dies, es wurden überhaupt keine Pfandbriefe ausgegeben, sondern das Geld für die langfristigen Immobilienkredite am Kapitalmarkt anderweitig und mit kürzeren Laufzeiten beschafft. Kann die Bank bei Fälligkeit der kurzfristigen Refinanzierungen aufgrund ihres Rufs und der allgemeinen Marktlage nicht umschulden, wie im Falle der HRE, und springt der Staat mit Garantien ein, dann haftet der Steuerzahler ebenfalls nicht für Pfandbriefe, sondern ausschliesslich für die Bank.

Lüge 2 – mündelsicher

BILD lässt Deutschland weinen:

“Pfandbriefe sind „mündelsicher“: In ihnen darf auch das Vermögen von Witwen und Waisen angelegt werden.”

Pfandbriefe sind mündelsicher. Das bedeutet, das Verlustrisiko bei Geldanlagen durch Insolvenz des kontoführenden Institutes sowie bei Wertpapieren durch Kursschwankungen muss ausgeschlossen sein. Dies regelt aber der Gesetzgeber für Pfandbriefe bereits durch das Pfandbriefgesetz (siehe mein Kommentar zu Lüge 1). Nun werden Vermögen von Personen, die nicht für sich selbst entscheiden können (Betreute) oder dürfen (Minderjährige), durch einen Vormund verwaltet. Für Betreute setzt das Gericht einen Vormund ein, Minderjährige haben in der Regel ihre Eltern. BILD unterstellt: Alle Witwen seien nicht rechts- und geschäftsfähig, dürften also weder selbst einkaufen noch eine Arbeit annehmen oder eine Wohnung mieten. Auch suggeriert BILD, dass unsere Kinder von Geburt an rechts- und geschäftsfähig seien, es sei denn, sie hätten ihre Eltern verloren. Sind Eltern kein gesetzlicher Vormund und sind Geschäfte von Kindern bis zur Vollendung ihres 18. Lebensjahres etwa nicht schwebend unwirksam, solange kein gesetzlicher Vertreter, also Mutter oder Vater, die Zustimmung erklärt haben?

Lüge 3 – Flowers’ Kaufpreis für seine HRE-Aktien

BILD und die Fakten:

“Denn der US-Milliardär J.- C. Flowers (51), Chef diverser „Heuschrecken“-Fonds, ist auch Großaktionär. Er war vor der Finanzkrise massiv bei der HRE eingestiegen – zu Kursen von mehr als 30 Euro.”

Ob die ursprüngliche Beteiligung von J. C. Flowers an der HRE mit 24,9 Prozent als massiver Einstieg zu bewerten ist, sei mal dahin gestellt. BILD nimmt es jedoch mit den Grundlagen der Mathematik nicht so genau. Flowers bezahlte in 2008 für 24,9 Prozent der HRE-Anteile rund 1,1 Milliarden Euro, was lediglich 22,50 Euro je Aktie bedeutet und nicht, wie BILD uns glaubhaft machen will, mehr als 30 Euro pro Aktie.

Lüge 4 – Warum der Aktienkurs wohl steigt?

Nachdem der Bund über den SoFFin nun 47,31 Prozent der HRE-Aktien hält, kletterte deren Börsen-Kurs auf etwas über 2,00 Euro. BILD erklärt, warum das so sei:

“Nachdem der Staat die HRE für „unverwundbar“ erklärt hat, sie also niemals mehr Pleite gehen kann, ist dies natürlich das entscheidende Schmankerl. Damit hat der Staat der HRE die höchsten Weihen spendiert, die es gibt: So sicher und solide zu sein wie der Staat selbst! Denn der steht in voller Höhe für alles in der HRE gerade.”

Zwischenzeitlich ist der Aktienkurs wieder unter 1,50 Euro gesunken, was der Logik von BILD widerspricht. Fakt ist: Durch den Einstieg des Bundes ist der reelle Free Float*) (Streubesitz) der HRE-Aktien unter 20 Prozent gesunken. Eine genaue Angabe liegt noch nicht vor. Damit und durch weitere Zukäufe des SoFFin nehmen die Kursschwankungen (Volatilität) zu und der Aktienkurs spiegelt nicht mehr die Meinung des Marktes wider. Wir konnten es bei Volkswagen sehr schön beobachten, als nach dem Einstieg von Porsche die VW-Aktie durch Spekulationen auf fast 1.000 Euro kletterte, um danach wieder unter 200 Euro zu fallen.

*) Entgegen der Definition des Free Floats durch die Deutschen Börse handelt es sich hier um die HRE-Aktien, welche durch den Bund, die Flowers-Gruppe oder durch klagewillige Kleinaktionäre gehalten werden und in absehbarer Zeit dem Börsenhandel nicht zur Verfügung stehen.

Grafik: August Wille (1828-1887) / public domain


Dieser Artikel ist Teil 12 von 58 der Serie Medienkritik



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