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Leistungsschutzrecht – Das Beste, was dem Internet passieren kann

Netzpolitik.org soll kürzlich ein brisantes Schreiben an den Arbeitskreis Leistungsschutzrecht mit bizarren Wünschen der deutschen Verlegerverbände Bundesverband der Zeitungsverleger (BDZV) und Verband deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) für ein straff gefasstes Leistungsschutzrecht zugespielt worden sein. O-Ton, die Deutsche Sprache als Verleger-Monopol, Zitatrecht war gestern, Beweislast beim Webseitenbetreiber und überhaupt, schon das unberechtigte Anzeigen einer Seite aus dem Internet oder eines Snippets aus einem Suchindex am heimischen Bildschirm führt zur Rechtsverletzung. Denn auch eine Kopie im Browser-Cache bleibt eine Kopie und stellt eine Vervielfältigung dar. Das könnte letztlich tschüss und auf Nimmerwiedersehen für Springer & Co bedeuten.

Kernschmelze alternativlos
Die konsequente Umsetzung der mutmasslich in dem bewussten Papier aufgeführten Vorstellungen hätte dramatische Konsequenzen. So würden zunächst alle Online-Angebote von deutsche Zeitungen und Zeitschriften aus den News-Portalen der Suchmaschinen rausfliegen. Ebenso verschwinden sie aus sämtlichen Suchindizes, auch aus denen für Blogs, wo sie von Haus aus gar nichts verloren haben. Damit würden Verlage und Mainstream-Medien im Internet überhaupt nicht mehr stattfinden. Ein netter Nebeneffekt, die öffentlich-rechtlichen wären ebenfalls betroffen und deren Intendanten hätten keine Argumente mehr, ihre Rundfunktgebühren unter Verweis auf “internetfähige was-weiss-ich” in den Himmel zu schrauben. Aber damit nicht genug. Sämtliche Links und Feeds wären zu löschen und die Online-Angebote könnten nur noch über das manuelle Eintippen der URL aufgerufen werden. Hoppla! Laut den Vorschlägen dürften wir ja nicht einmal das. Letztlich würden also die Nutzerzahlen massiv einbrechen. Aber vielleicht ist es ja gewollt, dass künftig nur noch zahlende Abonnenten Online-Zeitungen und -Zeitschriften lesen. Auch gut! Denn daraus ergeben sich Chancen.

Blogger und private Webseiten wären die Gewinner
Nachdem nun das Internet von den in Layer-Werbung verpackten Zumutungen aus zusammenkopierten Agenturmeldungen bereinigt ist, konzentrieren sich die Surfer auf Blogs und private Webseiten mit qualitativ hochwertigen Inhalten. Deren Besuche würden in Höhe schiessen, ebenso ihre Werbeeinnahmen. Denn nach dem Verschwinden des fortwährenden Spams der selbsternannten Qualitätsjournallie wäre das Angebot an Werbefläche äusserst knapp.

Das Ansinnen der Verleger käme einem Reset des Internets zurück in das Jahr 1995 gleich, als wir noch unsere Webseiten liebevoll im HTML-Editor gestalteten und uns freuten, wenn das selbst gebastelte JAVA-Applet funktionierte. Nur würde sich heute das neue Informations-Vakuum wesentlich schneller füllen lassen als damals.

Foto: salimfadhley / CC



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