≡ Menu


Verdrehte Schaeffler-Fakten für Focus-Leser

“Fakten, Fakten, Fakten und an die Leser denken.” In Zeiten der allgemeinen Hatz auf Banken scheint es bei Focus mit Fakten nicht weit her. So schreibt das Magazin in seinem Artikel “Banken wollen Schaeffler kaltstellen”:

“Die Banken der schwer angeschlagenen Schaeffler-Gruppe ziehen offenbar eine Rückabwicklung der Continental-Übernahme in Betracht. Derzeit werde unter den beteiligten Finanzhäusern erwogen, alle bei Schaeffler liegenden Aktien des Autozulieferers Continental zu übernehmen …”

Was ist eine Rückabwicklung? Der Verkäufer nimmt seine Ware zurück und der Käufer erhält im Gegenzug den geflossenen Kaufpreis. Im Falle Schaeffler würde dies bedeuten, dass die Ex-Aktionäre ihre durch Schaeffler übernommenen Aktien der Continental AG zurücknehmen und den Kaufpreis in Höhe von 70,12 Euro je Aktie in voller Höhe an Schaeffler erstatten müssten. Aber das planen die Banken nicht, wie Focus sich selbst nochmals widerspricht:

“Offenbar wollen Banken der Unternehmerin ihren Besitz am Autozulieferer Continental entreißen – ohne vorher zu fragen.”

Ein Knaller als Aufmacher, aber ebenfalls falsch. Die Conti-Aktien sind an die finanzierenden Banken als Sicherheit verpfändet. Das heisst, die Banken besitzen Conti bereits, sind nur noch nicht Eigentümer. Schaeffler darf zwar Conti kontrollieren, das war’s aber auch schon.

Was die Banken jetzt wahrscheinlich vorhaben und nach meiner Ansicht auch tun müssen, ist eine simple und wenig spektakuläre Verwertung ihrer Sicherheiten zwecks Schadensbegrenzung. Das dient nicht nur dem Schutze der Anleger, sondern ist auch im Interesse der Steuerzahler. Denn je länger die Banken warten, umso tiefer rutscht Schaeffler in die Verschuldung und umso höher ist letztlich der Verlust für die Kreditgeber. Den müsste der Steuerzahler über den Bankenrettungfonds SoFFin auffangen.

Auf diesen Hinweis verzichtet Focus. Er würde die Banken entlasten und die Kernaussage des Artikels entschärfen, was die Masse derzeit nicht hören will.

Zur Ehrenrettung von Focus sei drauf hingewiesen, dass zumindest einige Inhalte von Dritten (Nachrichtenagenturen und Zeitungen) übernommen wurden.


Dieser Artikel ist Teil 5 von 58 der Serie Medienkritik



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner