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Privatgeschäftsbanken, Förderbanken und Kundenorientierung im korrekten Schriftverkehr

Ich habe immer wieder festgestellt, dass so Förderbanken ganz komische – zwar rechtlich vielleicht saubere – jedoch für den Nichtruristen, was auf die meisten Kunden zutreffen sollte, unverständliche Anschreiben formulieren. Ja es gibt sogar öffentlich-rechtliche Kreditinstituite, die sich auf die Fahnen schreiben, der Kunde sei kein Bittsteller und trotzdem wird der Schriftverkehr mit Paragraphen vollgepackt, dass staatliche Behörden dagagen wie Schulmädchen aussehen.

Etwa so:

“Sehr geehrte….,

gemäss § 0815, Abs. 3 und § 4711 ff. der HundKatzeMaus-Verordung des Landes XYZ in Verbindung mit der 321. Durchführungsbestimmung zum § 1024 des was-weiss-ich auf Basis des BGH-Urteils QWERTZ Aktz. 0123456789 vom 25. Dezember 1199 fordern wir Sie auf, uns bis zum 01. Januar 2199 irgendwelche Unterlagen einzureichen.

Eine Missachtung des Termins kann die Kündigung ihres Kredites zur Folge haben.

Rechtsbehelfsbelehrung:
Sie können gegen den Inhalt dieses Schreibens innerhalb von 30 Tagen nach Versand gemäss §§ 1, 2, 3 der Sandmännchenordung Widerspruch einlegen. Die Rechtskraft bleibt davon unberührt.”

Geht man so mit Kunden um?

Nun, ich halte es für totalen Unsinn den Kunden mit einem Wust von Paragraphen zu bombardieren, als sei er ein Schwerstverbrecher. Das ist völlig unnötig, denn die Regelungen des Gesetzgebers oder eines Kreditvertrages wirken unabhängig davon, ob sie erwähnt werden oder nicht. Eine (Förder-)Bank, die auf solche Drohungen zurückgreifen muss, sollte sich zudem überlegen, ob sie nicht grundsätzlich in ihrer Kommunikation etwas falsch macht und besser ihre Autorität durch etwas mehr Professionalität erreichen könnte. Ich habe bei Privatgeschäftsbanken nie erlebt, dass im normalen Business ein Kunde auf ein freundliches und verbindliches Anschreiben nicht reagiert hätte.

Besser:

“Sehr geehrte…,

bei der Durchsicht unserer Unterlagen haben wir festgestellt, dass uns ihre aktuellen Katzenbilder noch nicht vorliegen. Wir bitten Sie daher, uns diese bis zum “TT/MM/JJ” zu übersenden.

Sollten Sie den Termin nicht einhalten können, bitten wir Sie sich mit uns in Verbundung zu setzen.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern unter der Rufnummer “Telefonnummer” zur Verfügung.

Vielen Dank.

MfG

übliche Vier-Augen-Unterschriften, Firmenstempel”

Klingt doch gleich ganz anders und niemand hat sich etwas vergeben. Oder? Wenn der Kunde doch nicht reagiert, kann ein Telefonat klären. Kommt trotz neuer Terminvereinbarung nichts und die Gesetzeslage drängelt, kann jetzt der Druck erhöht werden, indem die Kreditkündigung angedroht wird:

“Als neuen Termin haben wir uns den “TT/MM/JJ” vorgemerkt. Rein vorsorglich weisen wir darauf hin, dass Sie sich gemäss Kreditvertrag vom “TT/MM/JJ” über “EUR Nominal-Betrag” zur jährlichen Einreichung Ihrer aktuellen Katzenbilder verpflichtet haben. Sollten Sie unserer Bitte nicht entsprechen, sind wir durch den Gesetzgeber gezwungen die Geschäftsverbindung zu lösen und Ihren Kredit zur Rückzahlung fällig zu stellen.”

Jetzt weiss der Kunde, was bei Nichtbeachtung auf ihn zukommt, dass die Bank zwar weiterhin an ihm interessiert ist, jedoch keinen Handlungsspielraum mehr hat.

Im ersten Beispiel zeigt die (Förder-)Bank schon bei der ersten Erinnerung an den Kunden, dass sie kein Interesse an einer Geschäftsverbindung hat und macht gemeinsam mit dem Gesetzgeber eine Front gegen ihren Kunden auf. Die Bank hätte den Kunden verloren, wenn er nicht auf die Förderung angewiesen wäre. Er wird sich jedoch bei erster Gelegenheit aus dem Staube machen.

Im zweiten und dritten Beispiel zeigt die (Privatgeschäfts-)Bank, dass sie weiterhin an einer Geschäftsverbindung interessiert ist und wahrt eine gewisse Neutralität zu Kunde und Gesetz. Der Kunde ist nicht verloren. Es wird ihm vielmehr schlechtes Gewissen suggeriert.

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