≡ Menu


Steuergelder für die Banken – richtig oder falsch?

700 Milliarden US-Dollar für US-amerikanische Banken, 27-Milliarden-Euro-Bürgschaft für die Hypo Real Estate (HRE), über 10 Milliarden Euro für die IKB – der kleine Mann auf der Strasse hat die Nase voll und für die steuerfinanzierten Rettungspläne der Politiker kein Verständnis.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt die 27-Milliarden-Euro-Bürgschaft des Bundes:

“Eine Pleite des Immobilienfinanzierers hätte eine große Gläubigergruppe in Mitleidenschaft gezogen.”

Sie sei nötig, da sonst ein massiver Vertrauensverlust an den Märkten drohe. Bundesbank und BaFin setzen noch eins drauf und beschwören “schwerste Störungen” an den Geldmärkten und “ähnliche unabsehbare Folgen”, wie nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers.

Na und? Zunächst einmal ist das Argument der Politik im Falle HRE, es würden keine Steuergelder fliessen, nur bedingt richtig. Sobald nämlich die 35 Milliarden ausfallen, wird die Bürgschaft gezogen und die Steuergelder sind damit versenkt. Bürgschaften sind Eventualverbindlichkeiten und zählen zu genau solchen Verpflichtungen, welche trotz Risiko und Eigenkapitalbelastung nicht in den Bilanzen der jüngst zusammengebrochenen Kreditinstitute auftauchten und dennoch deren Pleiten mit verursachten. Aus denen kommt man nur heraus, wenn der Begünstigte den Bürgen aus seiner Verpflichtung entlässt, die Bürgschaft befristet ist oder der Bürge in voller Höhe zahlt.

Für wen wäre der Zusammenbruch der Hypo Real Estate oder anderer Banken eine Tragödie?
Für die Wirtschaft? Wohl kaum. Unternehmen finanzieren sich durch Eigenkapital und Fremdkapital:

  • Kapitaleinlagen von Anteilseignern
  • Eigenmittel aus Unternehmensgewinnen
  • Rückstellungen
  • Abschreibungen
  • Rechnungsabgrenzung
  • Ausgabe von Anleihen
  • Lieferantenkredite
  • Leasing
  • Betriebsmittelkredite zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen
  • Investitionskredite.

Die Möglichkeiten zeigen, dass der Bedarf an Finanzierungen durch Bankkredite in einem gut geführten Unternehmen sehr gering ist. Wenn das Überleben eines Unternehmens an den Kreditlinien von Banken hängt, dann ist es eigentlich schon tot. Die Aufstellung zeigt aber auch, wie Firmen ihr unternehmerisches Risiko auf Fremdkapitalgeber, wie Kreditinstitute, verlagern können.

In der Praxis, auch nach meiner Erfahrung, entdecken Unternehmen ihren Bedarf an Bankkrediten, wenn

  • die Firma in finanzielle Schwierigkeiten gerät
  • das Geschäft zumindest nicht für eine Eigenfinanzierung ausreicht
  • der Unternehmer selbst wenig Risiko eingehen will
  • andere Geldgeber nein sagen.

Und was macht eine Bank, wenn die Kreditlinien eines Kunden ständig beansprucht sind? Klar, lieber gestern als heute kündigen und abwickeln oder abdrängen, neuerdings verkaufen.

Konkreter Fall HRE
Mal ehrlich, würde Sie es interessieren, wenn die Hypo Real Estate – mit ihren gerade mal 1.900 Mitarbeitern eher ein Branchen-Winzling – in Insolvenz geht? Mich nicht, Sie nicht und ihre Katze sicher auch nicht. Ja nicht einmal Versicherungen und andere Pfandbriefgläubiger müssten nervös werden, da die Hypothekenpfandbriefe durch Forderungen und Immobilienvermögen gedeckt sind und nicht durch die Bonität der Bank. Zudem führt die HRE keine Privatkonten, sondern finanziert hauptsächlich Immobilien und Kommunen. Das kann es also auch nicht sein.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erklärt, dass die Einlagen der Privatkunden durch die Einlagensicherungsfonds sicher sind. Warum hat er dann trotzdem soviel Angst vor der Pleite einer schlecht geführten Bank in Deutschland?

Wenn also weder solide wirtschaftende Unternehmen noch Privatkunden von einer Bankenpleite im doch wohl gesättigten Bankenmarkt betroffen sind, warum haben Politiker und sogenannte Finanzexperten davor soviel Angst?

Der Markt funktioniert noch immer
Wenn ein Geldinstitut sich mit Geldern seiner Kunden und Gläubiger an den Kapitalmärkten so verspekuliert, dass ihm die Insolvenz droht, müsste ihm dann nicht gerechterweise durch dieselben Geldgeber das Vertrauen entzogen werden, damit es ganz natürlich vom Markt verschwindet?

Sobald sich der Markt nach Fehlern der Kreditinstitute bei Finanzierungen offensichtlich schlechter Bonitäten mit noch miserableren Sicherheiten in Verbindung mit ABS-Vertuschungsaktionen bereinigen will, warum wollen Politik und Finanziers den Genesungsprozess mit Steuergeldern verschleppen?



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner