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Unbezahlte Rechnung: Kleinbeträge mahnen?

2578922821_314f8225c6_oklFrüher, also so in den 90er Jahren, verstanden die Banken bei Kontokündigungen unter Kulanz:

“Beträge bis 9,99 DM zu Gunsten der Bank werden nicht angemahnt, sondern ausgebucht.”

Der Grund ist eine simple wirtschaftliche Kalkulation. Schon der Griff zum Telefon, um einen Kunden freundlich an seine offenen Schulden zu erinnern, überstieg den Betrag von 9,99 DM um ein Vielfaches. Wir wissen ja, Bankmitarbeiter sind nicht ganz billig und wenn ein Kunde dann einen Scheck über 2,45 DM an den Bank-Vorstand schickte, hatte der Verantwortliche in der Buchhaltung kaum etwas zu lachen.

Heute ist das anders. In der Welt von “Geiz ist geil”, automatisiertem Factoring und Forderungsmanagement wird jede offene Rechnung gnadenlos angemahnt, egal wie hoch der Betrag ist. Landläufige Meinungen dabei sind:

  • Auch kleine Beträge summieren sich.
  • Anwalts- und Gerichtskosten zahlt der Schuldner.
  • Forderungen verjähren erst nach 30 Jahren und mit einem Titel hast Du alle Zeit der Welt.
  • Ein Inkassobüro wird schon helfen.

Sicher! Inkassobüros und Rechtsanwälte verdienen derweil kräftig mit.

Im schlimmsten Fall bleibt der Gläubiger nicht nur auf seiner Hauptforderung sondern auch auf seinen selbst produzierten Mahn- und Gerichtskosten sitzen und die können auch bei Kleinbeträgen schnell im dreistelligen Bereich liegen. Hinzu kommt der eigene Nerven- und Zeitaufwand. Des Weiteren muss der Gläubiger erst einmal in Vorleistung gehen. Er wird möglicherweise Kredit beanspruchen, um Inkassobüro, Rechtsanwälte und Gericht zu bezahlen, was Zinsen kostet.

Wegen Kleinbeträgen bis 5,00 oder 10,00 Euro ein Gerichtsverfahren mit Vollstreckung anzustrengen, lohnt meines Erachtens nicht wirklich. Wer als Unternehmer auf 10,00 Euro angewiesen ist, muss sein Geschäft überprüfen. Sollten sich säumige Schuldner häufen, dann stimmt etwas mit Zielgruppe, Rechnungslegung und Überwachung der Zahlungseingänge nicht. Generell sollten wirtschaftlicher Nutzen und Aufwand auch hier das Handeln bestimmen.

Foto: Darren Hester / Flickr / cc



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