≡ Menu


Was kommt nach der Globalisierung?

An diese Schwarzmalereien glaube ich nicht. Zunächst betrifft die Globalisierung im Sinne von weltweiter wirtschaftlicher Expansion primär das Grosskapital. Den Mittelständler und Kleinunternehmer interessiert sie nur sekundär, als dass möglicherweise ein regionaler Markt durch Lohnanpassungen an Kaufkraft verliert oder Zulieferproduktionen ebenfalls verlagert werden. Aber man kann sich durch Innovationen auch neue Märkte schaffen. Dazu später. Sind Mittelständler und Kleinunternehmer vom Grosskapital abhängig, dann werden sie sich dessen globaler Expansion anpassen und selbst global tätig werden müssen oder untergehen.

Was kennzeichnet das Grosskapital (Duden: Gesamtheit der Grossunternehmen)? Es ist egozentrisch, aber nicht dumm und zum Teil sogar menschlich, wenn es nur einen Nutzen für sich sieht. Das Grosskapital geht, um sich zu mehren, immer den Weg des geringsten Widerstands, oder den effektivsten Weg, wenn Sie so wollen. Das Grosskapital ist in der Vergangenheit gewachsen und hat aus seinen Fehlern gelernt. Das tut es immer noch und wird es auch künftig tun.

Nun nehmen wir mal an, ich wäre ein solcher Global-Player. Im Moment wachse ich, erschliesse neue Märkte und produziere dort, wo es am billigsten ist. Ich maximiere dadurch meine Gewinne, wo es nur geht. Das kann durch eigene Investitionen im Ausland oder durch Zukäufe sein. Ich bin ausschliesslich meinen Anteilseignern, meinen Aktionären verpflichtet. Politik interessiert mich nur insoweit, als dass sie mich nicht behindert, sondern vielmehr fördert. Dabei muss mir klar sein, dass das Wachstums in territorialen Märkten nicht ewig funktioniert. Schliesslich ist unser Globus begrenzt.

Was kann und werde ich tun, wenn ich keine territorialen Märkte mehr erobern kann? Muss ich denn weiter wachsen? Ja, ich muss, denn die Konkurrenz tut es auch. Und sie ist nicht dumm und wird Wege suchen und finden, um mich auf dem Schlachtfelde des Wettbewerbs zu schlagen. Ich werde das nicht zulassen.

Was geht also nach der Globalisierung noch?
Ich kann globale Mitbewerber übernehmen, sie zerschlagen, in den Mittelstand drängen und dann ihre Marktanteile für mich erschliessen. Das stärkt meine Marktposition und -macht.

Die Population der Menschheit nimmt zu. Solange das so ist, werde ich dies für mich nutzen. Damit wachse ich zwar nicht mehr territorial, aber ich kann weiter wachsen.

Ich setze auf marktfähige Innovationen. Mit jedem neuen einzigartigen Produkt, welches ich auf den Markt werfe, wachse ich und meine Gewinne, bringe Menschen in Lohn und Brot. Zudem habe ich erst einmal zu tun, um meine Märkte, also weltweit nunmehr alle!, mit neuen Produkten zu versorgen. “Ja aber, woher kommt die Kaufkraft?”, wird der Leser jetzt fragen.

Durch Kleinunternehmer, Mittelstand und natürlich mein Konglomerat. Leben und leben lassen. Womit wir wieder bei der Menschlichkeit sind. Mir nützen nur Märkte etwas, die durch eigene Wertschöpfung genügend Kaufkraft besitzen. Also werde ich tunlichst dafür sorgen, dass dies auch so bleibt. Dazu ist es nötig Geld, Produktionsmittel, humane und natürliche Ressourcen in einem vernünftigen Kreislauf zu führen. Das nennt man Bewirtschaftung von Märkten, ähnlich wie die Einführung von Ackerbau und Viehzucht und damit Unabhängigkeit und sichere Grundversorgung des Menschen durch sich selbst. Ich muss also künftig meine Märkte so nutzen, dass jeder entsprechend seinen Voraussetzungen eingesetzt wird, selbst was davon hat und dazu noch meinem Gewinn Gutes tut. So macht es zum Beispiel keinen Sinn, Solarenergie an den Polen zu erzeugen, wo ein halbes Jahr Nacht herrscht.

Btw., Kriege wird es nicht geben. Wozu? Kriege schmälern nur Kaufkraft, dünnen meine Arbeitnehmerschaft aus, machen meine wertvollen Produktionsanlagen kaputt und da die natürlichen Ressourcen eh durch meine dummen Vorgänger restlos ausgebeutet wurden, gibt’s auch kein Kriegsziel. Des Weiteren habe ich nach der Übernahme des letzten Waffenproduzenten, dessen Schliessung veranlasst. Er hätte sowieso keine Abnehmer mehr für seine Produkte gefunden, da ich durch mein Geld die Kontrolle über die Regierungen habe. Hey! Schon vergessen? Ich bin Global-Player und habe Geld, viel Geld!

Da wäre nur noch das Trinkwasser, welches als wirkliches Streitobjekt knapp werden könnte. Aber das lasse ich in meernahen Wüstenregionen produzieren, nämlich genau dort, wo meine riesigen Wasseraufbereitungsanlagen mit Hilfe von mächtigen Solarkraftwerken an 365 Sonnentagen im Jahr effizient arbeiten. Huch, jetzt habe ich schon wieder Menschen in Lohn und Brot gebracht!

Was ich oben beschrieb, nennt man ein Szenario. Daraus könnte man eine Strategie entwickeln. Und ja, es gibt schon Unternehmen oder Global-Player, die ansatzweise in solchen Dimensionen denken. Leider sind es noch nicht viele.

Zugegeben, alles klingt a bissle nach alleiniger Weltherrschaft. Aber hat sie das Grosskapital nicht schon? Da ich jedoch nicht alle Wünsche der rasant wachsenden Weltbevölkerung allein erfüllen kann, sei es aus Faulheit oder partieller Unwissenheit, sind gleichgesinnte Mitbewerber gerne willkommen, solange sie friedlich, umweltschonend und menschlich bleiben.

Letztlich muss die wirtschaftliche Globalisierung am Ende die Unternehmen in eine menschenwürdige Wirtschaftspolitik zwingen und alle am Gewinn beteiligen. Andernfalls werden mangels globaler Kaufkraft die Unternehmen untergehen. Immer dann, wenn eine Ressource knapp wurde, fand der Mensch die Möglichkeit sie in einem Kreislauf nachhaltig zu nutzen, zuerst den Acker, dann diverse Rohstoffe und künftig den territorial begrenzten globalen Markt. Das Grosskapital kann nicht anders. Es muss und wird sich anpassen.

Technorati Tags:



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner